Der 1. Mai war ein Totalausfall für die Pläne der Kleinstpartei „Der III. Weg“ in Erfurt. Die Räumlichkeiten der Partei in Erfurt-Herrenberg stehen unter Räumungsdruck.
Für Oktober ist jedoch schon eine nächste überregionale Demo angekündigt. Und weder im Erfurter Süden noch in anderen Städten Ostthüringens dürfte es für die Nazis schwer sein, leerstehende Flächen für ein Folgeprojekt der Erfurter „Volksgemeinschaft e.V.“ anzumieten. Nachdem wir in einem ersten Teil den Apoldaer Nachwuchs der Partei vorgestellt haben, wollen wir nun einen genaueren Blick auf die terroraffinen Ostthüringer Kader werfen. Denn trotz Einheitskleidung, Fahnen und Antritt bei Wahlen ist die Gruppierung weniger eine Partei als vielmehr ein Sammelbecken militanter Nazis und AnhängerInnen rechtsterroristischer Strukturen.

Anika Wetzel, Franzy Schulz und Nico Metze beim Naziaufmarsch in Plauen am 01.05.2016. (Foto: Presseservice Rathenow)

Nico Metze

Der ehemalige Jenaer Aktivist aus dem „Freien Netz“ (FN) gehörte zu den Vertrauten von NSU-Helfer Ralf Wohlleben. Nach seinem Wegzug aus Jena fiel er mit dem Kahlaer FN-Aktivisten David Buresch 2010 auf, als beide auf dem Weg zu einem gemeinsam geplanten Brandanschlag in Saalfeld verhaftet wurden (Quelle). Nachdem Metze bis 2014 noch unter dem Label des FN versuchte, gegen die Aufnahme von Geflüchteten in Jena und andernorts zu agitieren, trat er ab 2015 regelmäßig als Redner und Aktivist der neugegründeten Kleinstpartei „Der III. Weg“ in Erscheinung. Derzeit lebt er zusammen mit seiner Parteikameradin Anika Wetzel in Gera. Die beiden besuchen regelmäßig Naziaufmärsche, oft zusammen mit Franzy Schulz aus Kahla und René Schaller aus Gera. Metze ist „stellvertretender Stützpunktleiter“ von „Der III. Weg“ in Ostthüringen und in der Georg-Büchner-Str. 7 in Gera wohnhaft.

Anika Wetzel

Annika Wetzel beim Rechtsrockfestival „Rock gegen Überfremdung II“ in Themar am 15.07.2017. (Foro: Recherche Nord)

Anika Wetzel bei einer Kundgebung der Gefangenenhilfe in Brandenburg an der Havel am 25.10.2014.(Foto: Presseservice Rathenow)

Die Geraerin fiel bereits als Aktivistin der neonazistischen „Gefangenenhilfe“ auf. Diese Organisation unterstützte auch die NSU-Helfer André Eminger und Ralf Wohlleben und wird u.a. von Emingers Bruder, Maik Eminger, der gleichzeitig Aktivist des „Dritten Wegs“ in Brandenburg ist, getragen. Wetzel trat seit 2015 auf zahlreichen Aufmärschen von „Der III.Weg“ als Rednerin in Erscheinung. Sie reiste auch mit Parteikadern wie Tony Gentsch und ihrer Kahlaer Kameradin und Nazi-Liedermacherin Franzy Schulz alias „Varghona“ 2015 zu einem Aufmarsch der militanten Nazipartei „Goldene Morgenröte“ nach Griechenland (Quelle). Bei Naziaufmärschen in Gera und Gotha im Jahr 2015 lief neben ihr auch Daniel Steinmüller in Parteikleidung mit, der als Mitglied der mittlerweile verbotenen rechtsterroristischen Gruppierung „Combat 18“ bekannt ist. Wetzel ist „Stützpunktleiterin Ostthüringen“ von „Der III. Weg“ und wohnt mit Nico Metze in der Georg-Büchner-Str. 7 in Gera.

Franzy Schulz

Als „Liedermacherin Franzi“ und später als „Varghona“ trat die in Kahla lebende Schulz schon bei ettlichen Neonazi-Veranstaltungen mit Gitarre auf. Darunter waren auch Auftritte bei „Hammerskin“-Veranstaltungen in Thüringen und in Schweden. Die „Hammerskins“ sind eine rassistische „Bruderschaft“ mit elitärem Anspruch und Scheu vor der Öffentlichkeit. Ihre AnhängerInnen bekennen sich zum rechtsterroristischen Konzept des „führerlosen Widerstandes“, dem auch der NSU folgte. Thomas Gerlach, der ein enges Verhältnis zu den UnterstützerInnen des NSU pflegte, ist langjähriges Mitglied der „Hammerskins“ in Sachsen. Aber auch Tony Gentsch, Kader von „Der III.Weg“ aus Plauen, demonstrierte in früheren Jahren seine Mitgliedschaft bei den sächsischen „Hammerskins“. In Kahla gehört Schulz zur etablierten Naziszene und organisiert zusammen mit dem militanten Neonazi und Mitglied der „Bruderschaft Turonen / Garde 20“, Sebastian Dahl, derzeit die „Corona-Hilfe Kahla“ (Artikel).

Franzy Schulz (1.v.l.) und Anika Wetzel (mittig) beim Naziaufmarsch in Gotha am 18.04.2015. (Foto: Recherche Nord)

René Schaller

Der Geraer ist regelmäßig mit Nico Metze zusammen auf Naziaufmärschen unterwegs. Neben so gut wie allen Demos vom Dritten Weg in Ostdeutschland und Franken besuchten die beiden zusammen auch den Rudolf-Hess-Marsch in Berlin 2017. Hier liefen sie neben einem weiteren Anhänger der Partei, Franjo Birkmann, der im Vorjahr bei einer Kundgebung in Kahla in Parteikleidung und als Fahnenträger auftrat. Schaller postete zudem Fotos im Netz, auf denen er sich in einem T-Shirt der „Gefangenenhilfe“ zeigt. Mit dem Konterfei des NSU-Helfers André Eminger und dem Spruch „Gemeinschaft statt Isolation“ bekennt sich Schaller klar zu den Taten des NSU und zu Eminger, der keinerlei Distanzierung oder Reue zeigte. René Schaller wohnt im selben Haus wie Nico Metze und Anika Wetzel, in der Georg-Büchner-Str. 7 in Gera.

René Schaller demonstriert seine Unterstützung für den NSU-Helfer André Eminger.

Daniel Steinmüller

Der Ronneburger gehört seit Jahren zur Neonazi- und Hooliganszene in Ostthüringen und trainiert Kampfsport beim „Team Bäumler“ vom ASC Ronneburg (https://runtervondermatte.noblogs.org/nachtrag-der-verein-baltic-fighters-bindet-neonazis-in-veranstaltungsstrukturen-der-muay-thai-open-ein/). Steinmüller hat es zu bundesweiter Berühmtheit gebracht, als ein Foto seines nackten Oberkörpers mit tätowiertem SS-Totenkopf und „Combat 18“-Schriftzug bei einem Auswärtsspiel von Wismut Gera durch die Presse ging. Er kokettiert dabei nicht nur durch Tattoos mit Terrorbekenntnissen, sondern gehört tatsächlich seit Jahren zu dem kürzlich verbotenen, rechtsterroristischen Netzwerk „Combat 18“, wie antifaschistische Recherchen belegen (Artikel). Die Gruppierung versteht sich als bewaffneter Arm des im Jahr 2000 verbotenen „Blood&Honour“-Netzwerks. Steinmüller lief 2015 in Parteikluft bei Naziaufmärschen in Gotha und Gera neben Anika Wetzel hinter dem Banner von „Der III. Weg“ und nahm 2016 neben Wetzel, Nico Metze, Franzy Schulz und Franjo Birkmann an der Kundgebung der Partei in Kahla teil. Beim „Rock für Deutschland“ am 01.07.2017 in Gera betreute Steinmüller den Infostand der „Gefangenenhilfe“. Auf einem Foto mit Aktivisten von „Combat 18“ beim Eisenacher Konzert von „Oidoxie“ posierte Steinmüller im Solidaritätsshirt für den NSU-Helfer André Eminger (siehe EXIF-Artikel).

Daniel Steinmüller (1.v.l.) und Anika Wetzel (2.v.l.) beim Naziaufmarsch in Gotha am 28.11.2015. (Foto: Lionel C. Bendtner)

Die beiden „Combat 18“-Aktivisten Daniel Steinmüller und Denis Zadow 2014.(Foto: Exif)

Michel Fischer 2014 in Dresden, damals noch Mitglied der später unter Terrorverdacht verbotenen „Weiße Wölfe Terrorcrew“. (Foto: Thomas Witzgall)

Diese Dichte an Bezügen zum Rechtsterrorismus ist dabei kein Alleinstellungsmerkmal der Ostthüringer Parteikader NS-Kaderpartei. Der Erfurter Michel Fischer gehörte früher zum 2016 verbotenen Netzwerk „Weiße Wölfe Terrorcrew“, gegen das die Bundesanwaltschaft wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelte.

Der stellvertretende Parteivorsitzende Matthias Fischer beispielsweise kam 2014 vom verbotenen militanten „Freien Netz Süd“. Auch Maik Eminger ist führender Parteikader in Brandenburg. Bei ihm versteckte sich NSU-Helfer André Eminger zum Zeitpunkt seiner Verhaftung und konnte während seiner Haft auf die Solidaritätsarbeit seines Bruders vertrauen. Und der Berliner Parteianhänger Oliver Oeltze wurde verangenes Jahr daran gehindert, zu einem Treffen mit ukrainischen Neonazis zu reisen, die zur schwer bewaffneten und kriegserfahrenen Neonazi-Miliz „Asow“ gehören (Quelle). Obgleich „Der III. Weg“ teilweise typische Parteiaktivitäten entfaltet, war seine Gründung eine strategische Konsequenz aus den zahlreichen verbotenen Kameradschaftsstukturen und militanten Gruppen. Daher sollte bei seiner Bekämpfung immer klar sein: „Der III. Weg“ ist bloß die legale Struktur eines Netzwerks von militanten und terroristischen Neonazis, die nie von ihren tatsächlichen Zielen und Methoden abgerückt sind.

Hier gehts zum ersten Teil.