Reich, rechts, russlandtreu (I): Das Unternehmerpaar Böhm-Schneider von Toskana-Therme und Salve TV

eine Bildmontage: Links sieht man Marion Schneider beim Filmen oder Fotos machen mit ihrem Handy auf der extrem rechten Großkundgebung in Gera am 3.10.2022. Im Hintergrund sieht man eine BRD-Fahne und eine Fahne des Reichsbürgerbündnisses "Freies Thüringen"
Links: Marion Schneider auf dem Großaufmarsch von AfD und Geraer Naziszene in Gera am 3.10.2022; rechts: Klaus-Dieter Böhm-Schneider beim Interview mit Björn Höcke und Dieter Dehm am 23.10.2025 auf Salve TV, gedreht auf der Ordensburg Liebstedt

Mit der Erstausgabe der „Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung“ sind neue rechte Medien mit der Finanzierung rechter Millionäre aktuell in aller Munde. In Thüringen gibt es dieses Phänomen bereits seit Jahrzehnten als Fernsehformat: Salve TV, geführt vom Unternehmer-Paar Marion Schneider und Klaus-Dieter Böhm-Schneider. Ihre Unternehmen sind weithin bekannt: Die Toskana-Thermen in Bad Sulza, Bad Schandau und Bad Orb mit jeweils dazugehörigen Hotels. Hinzukommt das Hotel Ritter in Fulda, eine Consulting GmbH, Verwaltungsfirmen für ihre Immobilien und eine Filmproduktionsfirma als Teil von Salve TV. Kürzlich wurde zudem die Ordensburg Liebstedt erworben. Das Unternehmer-Paar ist umtriebig, reich und gut vernetzt. Dass sie eine klare rechte politische Agenda verfolgen, wurde bislang leider noch nicht thematisiert. Vielmehr gelingt es ihnen, sich mal als Friedensbewegte, mal als Kunstmäzene und mal als KommunalpolitikerInnen zu inszenieren. Wer ihre Aussagen in den vergangenen zehn Jahren genauer verfolgt hat, muss zu einem anderen Schluss kommen: Marion Schneider und Klaus-Dieter Böhm Schneider nutzen ihren privaten TV-Sender mit Sendefrequenz in Mittel-/Ostthüringen für eine rechte Agenda: Schneider bietet verschiedensten AktivistInnen aus Kreisen von Querdenken, nationalistischen Montagsdemos und putintreuen Milieus eine Plattform, während Böhm-Schneider in einer wöchentlichen Talksendung rechte Stammtischparolen wiederkäut. Das Paar äußert sich seit Jahren deutlich transfeindlich, steht voll hinter der AfD und brennt für Putins Russland. Zeit für einen kritischen Blick auf die SchlossherrInnen aus Auerstedt und Liebstedt im nördlichen Weimarer Land.

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Im rechten Trott – Die Montagsdemos von Jena bis Saalfeld

Bei der Montagsdemo in Hermsdorf sind am 3.10.2022 Menschen mit Flaggen von "Freies Thüringen" und mit abgewandelten Thüringenflaggen zu sehen. Dazwischen laufen Leute mit Schildern, die vom Volkszorn sprechen.

Flaggen der Reichsbürger „Freies Thüringen“, Russlands und der BRD zwischen Parolen vom Volkszorn: Hermsdorf am 3.10.2022 (Bild: Youtube)

Vor knapp drei Jahren brach die Corona-Pandemie in Deutschland aus. Seit Mai 2020 verging kaum eine Woche, in der nicht rechte Verschwörungsideolog*innen, AnhängerInnen von AfD und anderen rechten Strukturen montags auf die Straße gingen. Vor einem Jahr überfiel Russland die Ukraine und führt dort seitdem einen grausamen Krieg. Die Montagsdemos griffen auch dieses Thema in zuverlässig autoritärer Manier auf und tragen seither allerorts Russlandfahnen mit. In unserer Region sind es vor allem Jena und Hermsdorf, wo beständig demonstriert wird. Hermsdorf ist dabei weitaus konstanter, was Beteiligung und Infrastruktur angeht. Die dahinterstehenden rechten Netzwerke sind teilweise jedoch die gleichen. In Kahla waren die Montagsdemos unbeständiger, aber wenig überraschend von einer höheren Anzahl bekannter Nazikader geprägt. Saalfeld vereint all diese Elemente bei einer relativ hohen und konstanten Teilnehmer*innenzahl. Nachdem wir gemeinsam mit der Recherche Ostthüringen vor einem Jahr bereits in einer Übersicht für Ostthüringen die Region zwischen Jena und Saalfeld beleuchteten, ist es Zeit für einen neuen Überblick. Weiterlesen