Reich, rechts, russlandtreu (I): Das Unternehmerpaar Böhm-Schneider von Toskana-Therme und Salve TV

eine Bildmontage: Links sieht man Marion Schneider beim Filmen oder Fotos machen mit ihrem Handy auf der extrem rechten Großkundgebung in Gera am 3.10.2022. Im Hintergrund sieht man eine BRD-Fahne und eine Fahne des Reichsbürgerbündnisses "Freies Thüringen"
Links: Marion Schneider auf dem Großaufmarsch von AfD und Geraer Naziszene in Gera am 3.10.2022; rechts: Klaus-Dieter Böhm-Schneider beim Interview mit Björn Höcke und Dieter Dehm am 23.10.2025 auf Salve TV, gedreht auf der Ordensburg Liebstedt

Mit der Erstausgabe der „Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung“ sind neue rechte Medien mit der Finanzierung rechter Millionäre aktuell in aller Munde. In Thüringen gibt es dieses Phänomen bereits seit Jahrzehnten als Fernsehformat: Salve TV, geführt vom Unternehmer-Paar Marion Schneider und Klaus-Dieter Böhm-Schneider. Ihre Unternehmen sind weithin bekannt: Die Toskana-Thermen in Bad Sulza, Bad Schandau und Bad Orb mit jeweils dazugehörigen Hotels. Hinzukommt das Hotel Ritter in Fulda, eine Consulting GmbH, Verwaltungsfirmen für ihre Immobilien und eine Filmproduktionsfirma als Teil von Salve TV. Kürzlich wurde zudem die Ordensburg Liebstedt erworben. Das Unternehmer-Paar ist umtriebig, reich und gut vernetzt. Dass sie eine klare rechte politische Agenda verfolgen, wurde bislang leider noch nicht thematisiert. Vielmehr gelingt es ihnen, sich mal als Friedensbewegte, mal als Kunstmäzene und mal als KommunalpolitikerInnen zu inszenieren. Wer ihre Aussagen in den vergangenen zehn Jahren genauer verfolgt hat, muss zu einem anderen Schluss kommen: Marion Schneider und Klaus-Dieter Böhm Schneider nutzen ihren privaten TV-Sender mit Sendefrequenz in Mittel-/Ostthüringen für eine rechte Agenda: Schneider bietet verschiedensten AktivistInnen aus Kreisen von Querdenken, nationalistischen Montagsdemos und putintreuen Milieus eine Plattform, während Böhm-Schneider in einer wöchentlichen Talksendung rechte Stammtischparolen wiederkäut. Das Paar äußert sich seit Jahren deutlich transfeindlich, steht voll hinter der AfD und brennt für Putins Russland. Zeit für einen kritischen Blick auf die SchlossherrInnen aus Auerstedt und Liebstedt im nördlichen Weimarer Land.

Salve TV: Regionalsender mit optionalem Polit-Zugriff durch Eigentümer

Die meisten Thüringer*innen dürften Salve TV als seichtes Regionalprogramm kennen: Seit 2003 wird von Volksfesten berichtet, Kulturveranstaltungen begleitet und die Landespolitik in Form von regelmäßigen Interviews mit Politiker*innen abgebildet. Zwischendurch gibt es Werbung für die Toskana-Therme und dortige Veranstaltungen. Teilweise gibt es Sendungen aus dem Bereich der Esoterik und wissenschaftskritischen Heilmethoden.

„Dotterweichs Nachtschoppen“ auf Salve TV: rechte Stammtischparolen und Kreml-Propaganda

Man sieht Norbert Dotterweich und Klaus-Dieter Böhm-Schneider in kurzärmligen Hemden im Salve TV Studio im Gespräch.  Die beiden stehen sich an einem kleinen Holztisch gegenüber, auf diesem sind zwei organgene Gläser sowie ein Stapel Papiere platziert, die Böhm-Schneider vor sich abgelegt hat. Er trägt ein buntes Hawaihemd und eine schwarze Uhr am linken Handgelenk, sein Blick wandert nach unten zu seinen Notizzetteln. Dotterweich ihm gegenüber trägt ein weites hellblaues Hemd, sein rechter Arm ist im Redeschwall leicht erhoben. Links hinter ihm ist auf einem Bildschirm oder Bild Donald Trump vor einer US-Fahne zu erkennen.
Norbert Dotterweich (l.) und Klaus-Dieter Böhm-Schneider am 27.8.2020 bei ihrer wöchentlichen rechten Stammtischsendung auf Salve TV

Klaus-Dieter Böhm-Schneider ist offiziell seit 2017 Geschäftsführer von Salve TV. Zuvor traf er jedoch schon die wegweisenden Entscheidungen und trat als Sprecher des Senders nach außen auf. So strahlte der Sender auf seine Initiative ab 2015 Beiträge von Russia Today (RT) Deutsch aus, nachdem der russische Staatssender in Deutschland gesperrt worden war. Böhm-Schneider verteidigte dies öffentlich. Trotz einhelliger öffentlicher Kritik wurde 2017 die Sendelizenz des eigentlichen Lokalsender durch die Thüringer Landesmedienanstalt verlängert. Bis heute teilt Böhm-Schneider RT-Beiträge auf Facebook, in denen es um die vermeintliche Friedfertigkeit Russlands gegenüber der feindseligen NATO oder Grundrechtseinschränkungen in Deutschland während der Corona-Pandemie geht.

Die wichtigste Plattform für Böhm-Schneiders persönliche Meinung ist die wöchentliche Stammtischsendung „Dotterweichs Nachtschoppen“ mit dem Weimarer Rechtsanwalt und Investor Norbert Dotterweich. So sehr Dotterweich und Böhm-Schneider hinter ihren Verschwörungsmythen regelmäßig westliche Kapitalist*innen als Schuldige ausmachen, entstammen sie selber dieser Klasse. Norbert Dotterweich stand einst wegen dubioser Investitionen in Österreich und Bosnien in der Öffentlichkeit, Klaus-Dieter Böhm-Schneider dürfte Immobilien- und Hotelanteile in Millionenhöhe besitzen. Ähnlich der Praxis von Elon Musk oder Donald Trump, ihren Reichtum zur Übernahme oder zum Aufbau von russlandfreundlichen Fake-News-Plattformen zu nutzen, bedient sich auch Klaus-Dieter Böhm-Schneider seines eigenen TV-Senders, um jenes Establishment zum Feindbild zu erklären, dem er selber entstammt. Dabei ist er sich für keine noch so offensichtliche und feindselige Hetze zu schade. Um das an einigen Beispielen zu illustrieren:

Nach dem Giftattentat auf Alexej Nawalnij schwadronierte Böhm-Schneider in der Sendung vom 27.8.2020 in „Dotterweichs Nachtschoppen“ auf Salve TV:

Es kann ja sein, dass der aus welchem Grund auch immer einen Schwächeanfall hatte. (…) Aber die Giftnummer, die geht mir nicht in den Kopf. Früher hatten beide Seiten, die Russen und die Amerikaner, gutes Gift. Damit wurde einmal ins Bein gestochen und tot umgefallen. Und in England kriegen sie es nicht hin, da ist der irgendwie so lange im Krankenhaus und im Koma sind die immer alle, und jetzt auch wieder. Und jetzt ist der Nawalnij glaube ich schon wieder aufgestanden. Heute ist er wieder wohlauf, hab ich gehört. (…) Wahrscheinlich braucht man das einfach, um darstellen zu lassen: Der böse, böse Putin, der macht alles Mögliche.

Im Zuge von Diskussionen um den Umfang deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine spielten sich Böhm-Schneider und sein Stammtischkamerad Norbert Dotterweich in der Sendung vom 19.2.2023 verschwörungsideologische Bälle zu. Den beiden zufolge würden die Ukrainer*innen Waffenlieferungen nicht zur Selbstverteidigung nutzen, sondern diese unter der Hand nach Westeuropa verkaufen, wo dadurch die Gesellschaften destabilisiert würden:

Böhm-Schneider: Du kriegst in Milliardengrößen Waffen. Wenn dann jetzt heute die UNO und alle, die Bescheid wissen, sagen: Der größte Teil der Waffen kommt gar nicht in der Ukraine an. natürlich verkaufen die die Waffen. (…)

Dotterweich: Das wird sich bald hier im Westen bemerkbar machen, wenn die ersten Waffen hier ankommen: Bandenkriege.

Böhm-Schneider: In den 80er, 70er Jahren gab es investigative Journalisten, die das aufgedeckt haben und dann gabs bei Panorama usw. solche Enthüllungsfilme. Die Leute, die das früher gemacht haben, die sind alle von der Landschaft verschwunden. Wenn die im Internet ihr eigenes Portal machen würden, werden die blockiert. Die gibts gar nicht mehr. Und das Wesentliche ist heute, dass du im Grunde genommen eine Welt hast, wo alles, was kritisch ist, nicht mal mehr im Internet stattfindet. Das wird einfach verboten. Und zwar mit der Begründung: „Ja das sind Verschwörungstheoretiker.“ (…) Das wird jetzt alles zentralisiert zensiert.

Konsistent in seinen antiamerikanischen und kremltreuen Verschwörungsmythen setzte Böhm-Schneider auch in der Sendung vom 3.2.2025 die Hetze fort:

[Die Fortführung des Ukrainekriegs] war ja offensichtlich nur ein Interesse der Familie Biden, die sich da die Taschen voll machen wollte. (…) Wer zur Wahl geht, der sollte ernsthaft in sich gehen und nachdenken, was wir wollen. Wir wollen doch in Wirklichkeit Frieden. Wir müssen die Leute stärken, die wirklich glaubhaft für Frieden sind. […] Zelenski ist ein abgelaufener Präsident und wird weiterhin hofiert. […] In Wirklichkeit vertritt der niemanden außer sich selbst und seine Interessen, wirtschaftlich.

In Kohärenz mit seiner gesellschaftlichen Machtstellung als mittelalter, reicher, weißer Mann greift er in seiner Stammtischsendung die plumpe Hetze auf dem Niveau von Merz und der AfD auf, die sich gegen marginalisierte Gruppen richtet. Im Dezember 2022 traf es mit einem Spruch sowohl trans* Menschen als auch von Rassismus Betroffene:

Wenn du nur lachst, dass einer als Mann jetzt mit Frauenkleidern rumläuft, dann kann der dich jetzt verklagen als was? Rassismus? Oder was ist das?

Einen Tag nach der Landtagswahl 2024 in Thüringen, bei der Höckes AfD ein hohes Ergebnis erzielen konnte, herrschte am 2.9.24 überschwängliche Begeisterung bei Böhm-Schneider und Dotterweich, die ihre Interessen sichtlich durch die FaschistInnen vertreten sehen:

Böhm-Schneider: Was der Klingbeil gesagt hat: „Alle AfD-Wähler sind Nazis.“ Das müssen sie sich jetzt überlegen, ob das so ist.

Dotterweich: Sollen ruhig weitermachen, das kann ich nur begrüßen. Da kriegt die AfD noch mehr Stimmen.

Böhm-Schneider: Ich habe mir jetzt eine Rede angehört von der Weidel, da ist mir schlecht geworden. Weil die in einem Staccato mit der Regierung abgerechnet hat. Da kann ich jedes Wort unterschreiben. Die Unfähigkeit dieser Regierung ist so groß, dass die am Ende gesagt hat die sollen zurücktreten. Weil die ruinieren Deutschland. Und das stimmt.

Dotterweich: Warum ermittelt der Generalbundesanwalt nicht gegen die Regierung wegen Landesverrats?

Böhm-Schneider: Da muss ich Frau Weidel Recht geben: Die Regierung sollte zurücktreten und es sollte Neuwahlen geben.

Dotterweich: Machen sie nicht. Die ruinieren das Land weiter.

Böhm-Schneider: Die haben den Auftrag möglicherweise, den Auftrag, das Land zu ruinieren. Ich kann mir das nur erklären, dass wenn man Deutschland ruiniert und die Wirtschaft ruiniert, dass man dann von amerikanischen Fonds, Blackrock usw. die besten Teile kaufen kann. Die kriegt man für ’nen Appel und ’nen Ei. Und dann hat man die besten Teile und ist in der Weltbeherrschung einen kleinen Schritt weitergekommen. Der Anfang ist gemacht. Ich bin dem Thüringer Volk so dankbar. Die haben eine solche Weitsicht und eine solche Klugheit, dass sie denen jetzt die Aufgabe der Quadratur des Kreises gegeben haben. Und jetzt müssen wir uns das anschauen. Und wir müssen natürlich Einfluss nehmen und denen sagen: Jetzt müsst ihr das Richtige machen, sonst fliegt ihr raus.

Marion Schneider auf Salve TV: Reichweite für QuerdenkerInnen und rechte Netzwerker

Wolfgang Lauerwald und Marion Schneider sitzen im kuppelförmigen Studio von Salve TV. Im Hintergrund sieht man die Dächer der Erfurter Innenstadt und den Dom. Schneider hat die Hände erhoben, während sie spricht.
Wolfgang Lauerwald und Marion Schneider auf Salve TV am 13.3.2023

Marion Schneider war lange Jahre offiziell Geschäftsführerin der Toskana Therme Bad Orb und ist weiterhin Geschäftsführerin der Liquid Products & Services GmbH, die mittlerweile vollständig von der Dachgesellschaft der Unternehmen der Böhm-Schneiders, der Toskanaworld AG, übernommen wurde. Schneider nutzt den Sender Salve TV ausschließlich für ihre rechten Netzwerke oder persönliche Stellungnahmen, ohne am redaktionellen Tagesgeschäft beteiligt zu sein. Infolge unserer Kritik an ihrer Teilnahme an der rechten Großkundgebung in Gera am 3.10.2022 antwortete Böhm-Schneider dennoch, dass sie als Reporterin da gewesen sei. Der Kurzbeitrag von jenem Tag enthielt jedoch weder Bilder oder Inhalte vom Zeitpunkt von Böhm-Schneiders Teilnahme, noch war er redaktionell von ihr gekennzeichnet.

Peter Schmidt und Yves Berlinghoff sitzen im Studio von Salve TV, im Hintergrund wird die Jenaer Innenstadt bei Abendlicht eingeblendet. Rechts daneben steht der Titel "Zum Glück...! - gibt es "Unternehmer mit Herz"
Der Sponsor der Geraer Naziszene, Peter Schmidt (l.) und der Neonazi-Aktivist Yves Berlinghoff im Lobpreis-Interview bei Marion Schneider auf Salve TV am 19.1.2022

Ihr wichtigstes Sendungsformat dafür ist „Zum Glück gibt es…“ und porträtiert vermeintlich gesellschaftlich engagierte Menschen in Interviewform. Seit Beginn der Pandemie nutzte Schneider das Format als unregelmäßige Plattform für Querdenken-WortführerInnen und Neonazi-Netzwerker. Im Februar 2021 begann es mit dem Weimarer Mitorganisator der verschwörungsideologischen Montagsdemo, Uli Masuth, der wie Schneider in der bürgerlichen Kulturszene Weimars und Apoldas verwurzelt ist. Masuth hatte zu jenem Zeitpunkt begonnen, seine wöchentlichen Demos mit den Reichsbürgern und Neonazis um Frank Haußner aus Zeulenroda zu verzahnen, der persönlich als Redner mit antisemitischer Rhetorik und Reichsbürgerideologie auf Masuths Demo eingeladen wurde. Im Januar 2022 lud Schneider die rechten Aktivisten Peter Schmidt und Yves Berlinghoff aus Gera ein, die seit Mai 2020 die dortigen Montagsdemos zusammen mit dem Neonazi Christian Klar organisierten.

Bildmontage: Man sieht links Klaus-Dieter Böhm-Schneider in seinem Format "Im Gespräch". Der Titel rechts daneben lautet "Nach Ballwegs Haftentlassung - Wie steht es um die Querdenkenbewegung?". Rechts daneben sieht man einen weiteren Screenshot des Beitrags, in dem Michael Ballweg zu sehen ist.
Michael Ballweg im Interview mit Klaus-Dieter Böhm-Schneider auf Salve TV am 19.4.2023

Peter Schmidt stellte sich auf der von Neonazis und Reichsbürgern organisierten Geraer Montagsdemo auch dann noch demonstrativ mit den Worten „Schön, dass du mein Freund bist“ hinter deren Protagonisten Christian Klar, als sowohl dessen Politisierung im Umfeld des „Thüringer Heinmatschutz, als auch dessen Bandenkriminalität bekannt gemacht worden waren. 2023 hielt Marion Schneider Lobreden auf den Querdenken-Wortführer Michael Ballweg, der nicht nur als Interviewpartner bei ihr auftrat, sondern auch bei einem Querdenken-Treffen auf dem Privatanwesen der Böhm-Schneiders in Auerstedt nochmal auf Salve TV zu sehen war. Klaus-Dieter Böhm-Schneider interviewte Ballweg in der vorgeblichen Rolle eines Salve-TV-Redakteurs, fiel jedoch in seine tatsächliche Rolle eines Aktivisten zurück, als er Ballweg mit „Wir als Bewegung müssen…“ zustimmte.

2021 bekamen außerdem Uwe Steimle und Diether Dehm eigene Sendungen, in denen sie die gleichen Stammtischparolen und prorussischen Verschwörungsmythen abspulen durften wie Böhm-Schneider in seiner wöchentlichen Sendung. Auch Marion Schneider selber begann, ihren Sender als politisches Sprachrohr zu nutzen, wie etwa am 15.9.2021, als das Investorenpaar Böhm-Schneider sich gegenseitig ‚interviewte’. Hier relativierte Schneider den Nationalsozialismus, indem sie Impfungen mit einer NSDAP-Mitgliedschaft verglich – vermeintlich auf wissenschaftlicher Grundlage, da sie „Historikerin“ sei. Im selben Atemzug vergleicht sie die Kritik am Rassisten Sarrazin und an der AfD mit der Verfolgung und Vernichtung politischer Gegner*innen durch das NS-Regime:

Ich bin ja Historikerin – ich erkenne faschistische Tendenzen in unserem Land. Und ich bin total erschüttert, dass das innerhalb so kurzer Zeit möglich geworden ist. Zum Beispiel diese Zwei-Klassen-Systematik: Die Geimpften sind jetzt die erste Klasse und die nicht-Geimpften sind die zweite. (…) Ich hab gedacht, also das mit dem Impfen jetzt ist so wie mit dem Parteibeitritt: Das ist Impfen ‚Du hast das Parteibuch‘. Bei den Nazis mussten ja auch die meisten der Partei beitreten. Und wenn du das nicht gemacht hast, dann warst du eben ausgeschlossen. (…) Oder wir schließen jemanden aus, es geht ja nicht nur um die Umgeimpften. Wir schließen den Sarrazin aus, wir schließen die AfD aus, wir schließen die, die die Gendersprache nicht sprechen, aus, wir schließen die, die nicht akzeptieren, dass es mehrere Geschlechter gibt, aus. (…) Wenn man erstmal auf diesem Trip ist, und dann ein paar Gesinnungsgenossen findet, die auch mit machen. Und schon haben wir immer mehr Reibereien in unserem Land.

In einem gestreamten Interview bei Diether Dehm wiederholte Schneider im Juli 2023 ihre Verschwörungsmythen, an deren Ende sie konsequenterweise sowohl für die AfD als auch für die prorussische Sichtweise wirbt, dass die eigentlichen Urheber*innen des offenen Angriff Russlands auf die Ukraine im Westen säßen. Zudem bleibt sie, erneut betont als Historikerin, bei der NS-Verharmlosung, wenn sie öffentliche Kritik an FaschistInnen mit der reellen Verfolgung und Vernichtung politischer Opposition in der NS-Zeit gleichsetzt.

Screenshot des auf Youtube hochgeladenen Interviews von Dieter Dehm mit Marion Schneider. Der Titel lautet "Sahra Wagenknecht - Ministerpräsident für Thüringen?" Marion Schneider wird als Vertreterin der Freien Wähler angezeigt. 
Der Hintergrund des Videos ist goldgelben, davor sind links Dehm und rechts Marion Schneider eingeblendet, jeweils auf Videokacheln.
Marion Schneider in einem auf Youtube gestreamten Interview mit Dieter Dehm im Juli 2023

Abseits der Kameras ihrer Salve-TV-Mitarbeiterinnen, die für das rechte Geraune des Hauptgesellschafter-Ehepaares eingespannt werden, wird Marion Schneider noch deutlicher. Auf Facebook teilte sie etwa ein rechtes Sharepic gegen Gesetzesinitiativen des damaligen grünen Wirtschaftsministers Habeck, das weniger grüne Energiepolitik kritisieren, als vielmehr gegen trans und nichtbinäre Menschen hetzen soll.

Facebook-Beitrag von Marion Schneider vom 24.9.2023. „DEUTSCHLAND, DAS EINZIGE LAND IN DEM DU DIR DEIN GESCHLECHT, ABER NICHT DEINE HEIZUNG AUSSUCHEN DARFST.“ Am rechten Rand des Screenshots sind verschiedenste Kommentare zu sehen, etwa folgender: „Echt Marion, das hier zu posten ist unterirdisch, weil nicht nur zynisch, sondern menschlich demütigend und verachtend.“
Marion Schneider mit transfeindlicher, anti-grüner Hetze auf Facebook im September 2023


In einer Telegram-Gruppe von Verschwörungsideolog*innen und Esoteriker*innen aus dem Weimarer Land und dem Saale-Holzland-Kreis pflichtete Schneider einem offensichtlichen Fake-News-Beitrag zu einem Aufruf, Leichen zu essen, bei, indem sie ihre nach dem Muster des historischen Antisemitismus hinter der globalen Verunsicherung in Pandemiezeiten einen stringenten Plan „der Konzerne“ erkennt.

Telegram-Chat in einer Gruppe aus dem Querdenken-Spektrum. 'Sven' postet eine alte Grafik mit einem Wolf, der einen Zylinder trägt. Dazu der Schriftzug: "Krieg und Leichen - die letzte Hoffnung der Reichen". Darunter kommentiert Marion Schneider: "ja, schon zwischen den Weltkriegen haben sie Getreide ins Meer geworfen".
Marion Schneider mit Beifall zu strukturell antisemitischen Mythen auf Telegram 2022

Russlandreise 2024

Im Innenhof des Schloss Auerstedt stehen lächelnd Marion Schneider, Klaus Böhm-Schneider, Ivana Steinigk und Silvan Haselbach bei Sommerwetter rund um einen Lada Niva mit Dachbox.
Reisegruppe Russland 2024 vor der Abfahrt (v.l.n.r.): Ivana Steinigk, Silvan Haselbach, Marion Schneider, Klaus-Dieter Böhm-Schneider

Der russische Angriff auf die Ukraine am 24.2.2022 wurde von den Böhm-Schneiders und ihren rechten, vorgeblich friedensliebenden Netzwerken in die altbekannten Mythen eingewoben. Mit kaltem Zynismus verwies Marion Schneider am Tag des russischen Angriffs auf Twitter/X auf die russische Rechtfertigung auf der kremltreuen Fakenews-Plattform „Anti-Spiegel“.

Twitter-Kommentar von Marion Schneider am 24.2.2022: "Ein Komentar zu der Entwicklung in und um die Ukraine für die, die es genauer wissen wollen". Danach folgt ein Link zu anti-spiegel.ru
Marion Schneiders Lesempfehlung zum Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine – kurz zusammengefasst: „selber schuld“ (Screenshot: Twitter/X)

In dem von Marion Schneider empfohlenen Kommentar heißt es zum russischen Angriff u.a.:

Ich persönlich verstehe, dass Russland nach über 20 Jahren der Lügen und des Betruges der Geduldsfaden gerissen ist. Aber das kann jeder sehen, wie er möchte. Ich hoffe, dass die russische Ankündigung, man werde keine zivilen Ziele angreifen, sondern ausschließlich militärische, umgesetzt wird. Ich habe daran allerdings wenig Zweifel, denn in der Ukraine leben viele Blutsverwandte von russischen Staatsbürgern. Es gibt Millionen familiärer Verbindungen. In Russland herrscht Verständnis für das russische Vorgehen, aber natürlich keine Begeisterung. Dieses Verständnis ihrer Bevölkerung würde die russische Regierung verspielen, wenn sie zivile Ziele angreift. Daher bin ich recht sicher, dass die russische Armee zivile Opfer in der Ukraine um fast jeden Preis zu verhindern versucht.

An dieser Linie, jede noch so offensichtliche Propagandalüge der russischen Regierung zu reproduzieren, hielt Schneider auch nach mehreren Jahren grausamen Kriegs gegen die ukrainische Zivilbevölkerung fest. Im April 2023 bezeichnete sie mit dem Vokabular des Kremls und unter Verweis auf dessen infolge einer militärischen Besetzung der Krim organisierten Scheinreferendums 2014 die ukrainische Regierung als „faschistisch“. Im selben Geiste stand ihr Kommentar, dass die Ukraine eine „Diktatur“ wäre.

zwei Tweets von Marion Schneider. Am 8.4.2023 schreibt sie: "Das unverhüllte Gesicht des ukrainischen Faschismus. Man bedenke: über 90 Prozent der Krim-Bevölkerung hat sich 2014 für den Anschluss an Russland ausgesprochen - bei über 90 Prozent Wahlbeteiligung." Im zweiten Tweet teilt sie am 20.8.2024 einen Tweet zur Einschränkung der Tätigkeiten der russisch-orthodoxen Kirche in der Ukraine und kommentiert selber "Das Gesicht der Diktatur".
Marion Schneider agitiert 2023 und 2024 auf Twitter/X im Sinne russischer Propaganda gegen die Ukraine

Um ihre Zuwendung zur autoritären russischen Gesellschaft unter Beweis zu stellen, reiste das Ehepaar Böhm-Schneider 2024 unter Begleitung der Thüringer Donbass-Aktivistin Ivana Steinigk und Silvan Haselbach durch Russland. Letzterer ist im Vorstand des jährlichen alternativen Festivals „Auerworld“ in Auerstedt. Auch Marion Schneider war bis 2022 im Vorstand des Vereins, der das Festival organisiert. Von der Reise berichtete Marion Schneider in einem Reiseblog, während Böhm-Schneider nach der Reise seine Sendung auf Salve TV nutzte, um mit der vermeintlichen Glaubwürdigkeit eines Augenzeugen seine prorussischen Gewissheiten zu bestätigen. Bereits der Bericht vom Grenzübertritt ließ wenig Kritisches erwarten: Marion Schneider berichtete vom „interessierten“ Gespräch mit Beamten des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, das sie „in mehrfacher Hinsicht bewegt“ hätte. Der FSB, dessen Apparat Putin persönlich entstammt, stellt öffentlich zur Schau, dass Untersuchungshäftlinge zur Erlangung von Geständnissen gefoltert werden – völlig unabhängig von deren politischer Haltung. In jüngerer Vergangenheit war dies bei den mutmaßlichen Attentätern auf die Konzerthalle in Krasnogorsk im März 2024 zu beobachten. Von der Folter und von politischen Morden durch FSB-BeamtInnen sind von Antifaschist*innen über neoliberale Oppositionelle bis hin zu Neonazis alle betroffen.

In schwarzer Schrift auf gelbem Hintergrund steht folgendes: „Wir mussten nun auf russischer Seite bis 14.55 Uhr warten, bis unsere Pässe von der russischen Seite mit einem Stempel versehen wurden. Jetzt fehlt nur noch die Zollkontrolle. Das freundliche Verhör beziehungsweise interessierte Gespräch mit zwei jungen Mitarbeitern des russischen FSB (Föderaler Sicherheitsdienst) hat uns in mehrfacher Hinsicht bewegt.“
Marion Schneider über die Befragung durch den FSB bei der Einreise nach Russland 2024

Alle weiteren Blogbeiträge von Marion Schneider folgten dieser Leitlinie, die eigenen ideologischen Überzeugungen anhand von AugenzeugInnenberichten neu zu illustrieren und die Erzählungen der russischen Regierung rund um die heimische Wirtschaft und den Angriffskrieg in der Ukraine zu bestätigen. Sicherlich genossen die Böhm-Schneiders neben dem Privileg, anders als in der russischen Öffentlichkeit den Krieg auf ihrem deutschen Blog auch Krieg nennen zu dürfen, auch schlicht die Reise mit einem antiquierten russischen PKW und den Luxus, mit gut gedeckten Kreditkartenkonten auf einen wochenlangen Roadtrip durch weite Landschaften zu gehen. Gerade die öffentliche Begleitung dieser Reise im Blogformat zielte jedoch auf die politische Reinwaschung der russischen Führung.

auf dem ersten Screenshot von Marion Schneiders Blog ist sie in der unteren Bildhälfte selbst zu sehen. Dabei sitzt sie lächelnd an einem Tisch, im Hintergrund Decke, Kronleuchter und weitere Tische. In der oberen Hälfte ist folgender Text zu erkennen: „ich fragte an der Rezeption, ob in letzter Zeit deutsche Gäste in Rzhev waren, was die Mitarbeiterin verneinte. Im Wikipedia-Eintrag steht auch etwas über ihre Städtepartnerschaften. Vermutlich sind diese alle auf Eis gelegt, weil es sich bei allen um Städte aus Nato-Ländern oder aus der Ukraine handelt. In Deutschland ist es Gütersloh. So steht bei Wikipedia 'Güterslohs Bürgermeister hat an die Partnerstadt appelliert, sich von der Kriegspolitik zu distanzieren. Der Appell blieb ohne Antwort.' Dies ist nicht verwunderlich. Wenn das russische Parlament, die Duma, schon einstimmig die Entscheidung von Präsident Putin und seiner Regierung für die 'militärische Spezialoperation' bewilligt hat, müsste dies zu denken geben und das Bedürfnis nach Klärung wecken.“ Der Screenshot des zweiten Blogbeitrags zeigt eine orangene Warnweste tragende Person am Rande einer Straße, mit der Bildunterschrift: „Menschen ersetzen Ampeln.“ Darunter schreibt Schneider in ihrem Blog: „Was wir sehen, sind gigantische Investitionen in die Infrastruktur des Landes. Dem steht ein Krieg diametral entgegen, denn es werden ganz offensichtlich alle Arbeitskräfte für den Ausbau des Landes gebraucht.“
Blogbeiträge von Marion Schneider während der Russlandreise 2024

Russland diente Marion Schneider auch, von solchen einfach gestrickten Rechtfertigungen für das russische Regierungshandeln abgesehen, als Projektionsfläche für Gegenbilder zu dem, was sie sich unter einer liberalen westeuropäischen Gesellschaft vorstellt. Die Tatsache, dass die russische Gesellschaft stark patriarchal dominiert ist, verklärt Schneider zu einem Merkmal, das für gesellschaftlichen Frieden sorgen würde. Hier will Schneider eine „natürliche“ Ordnung erkennen, die Mann und Frau feste Rollen zuweise. Dass es weniger Konflikte und Gewalt geben würde, ist trotz des naiven Tonfalls Schneiders eine zynische Verdrehung der Tatsache, dass häusliche Gewalt in Russland unter Putin legalisiert wurde und es Schätzungen zufolge in jenen Jahren täglich drei Femizide in Russland gab.

Hier zwei weitere Blogbeiträge, zunächst folgender: „Die Männer scheinen gute Familienväter zu sein. Sie lassen ihrer Frau die Mutterrolle, stehen aber hinter ihr und unterstützen sie dabei. Das ist sehr schön anzuschauen, zumal es sich von jung bis alt durchzieht, so dass wir auch liebevolle, aktive Großväter sehen. Oft weiß ich nicht, ob es sich um Eltern oder Großeltern handelt. Jedenfalls fiel mir die entstpannte Harmonie der beiden Eltern- oder Großeltern- Teile auf, die etwas mit der Akzeptanz ihrer gesellschaftlichen Geschlechterrolle zu tun haben könnte. Die Kinder sind entsprechend selbstbewusst und zielstrebig. Konflikte zwischen Eltern und Kindern habe ich bisher selten gesehen. Ich habe außerdem den Eindruck, dass die Akzeptanz der Geschlechterrollen und auch der Familie an sich dazu führt, dass man sich mit mehr Liebe und Zuwendung begegnen kann, da nicht ständig Fragen und Zweifel hinderlich sind.“ Der zweite Blogbeitrag hat die Überschrift „Leben im Einklag mit der Natur.“ Dort schreibt sie: „Auch in der Religion ist die Grundlage der Menschheit die Schaffung von Mann und Frau. Wenn dies heute durch moderne Forschung differenziert, in Frage gestellt oder sogar überwunden werden soll, so stellt sich für jeden von uns die Frage, welchen Weg wir gehen wollen. Meiner bisherigen Erkenntnis nach ist ein Leben im Einklang mit der Natur und somit der Erhaltung der natürlichen Vielfalt der Weg, für den die Menschheit sich entscheiden sollte. Es gibt aber mittlerweile eine starke und immens wichtige Bewegung, die die Herrschaft über die Natur anstrebt und davon ausgeht, dass sie auch die Herrschaft über die Menschheit erlangen sollte. Dies gelingt nur durch Überwindung von Tradition, Kultur, Nation und Religion- eine friedliche Koexistenz ist hier meiner Einschätung nach nicht möglich. Auch deshalb befindet sich die Menschheit im Krieg.“
Marion Schneider über Natur, Geschlechterrollen und den vermeintlichen „Frieden“ in Russland 2024

Die Begleitung der Böhm-Schneiders: Thüringer Donbass-AktivistInnen mit Verbindungen zu russischen Neonazis und Miliz-Netzwerken

Zu sehen ist Raissa Steinigk in rotem Hemd und mit Brille, oben rechts im Bild das Logo von Salve TV. Rechts des Bildes die Überschrift „Zum Glück… gibt es 'Zukunft Donbass'“
Raissa Steinigk von „Zukunft Donbass“ aus dem Wartburgkreis auf Salve TV 2016

Das Ehepar Böhm-Schneider pflegt seit Langem gute Verbindungen zu Raissa Steinigk und deren Tochter Ivana Steinigk, die seit zehn Jahren vom Wartburgkreis aus Spendentransporte in die von prorussischen SeparatistInnen verwalteten Gebiete der Ostukraine organisieren. Bereits 2016 lud Marion Schneider Raissa Steinigk zu einer Sendung auf Salve TV ein, in der die Sichtweise des Kremls auf den Aufstand vom Maidan 2014, die russische Besetzung der Krim und der Ostgebiete im Donbass dargelegt wurde. Auch danach traten Raissa und Iwana Steinigk auf dem TV-Sender und auf Veranstaltungen der Böhm-Schneiders als Vertreterinnen einer einseitig Kreml-loyalen Sichtweise auf den komplexen, von verschiedenen Machtinteressen und Nationalismen geprägten Konflikt innerhalb der Ukraine auf. Dass der Initiative nicht immer am vorgeblichen „Frieden“ oder „Dialog“ gelegen ist, zeigt sich bereits in deren Telegram-Posts. Hier werden u.a. Beiträge von russischen Kanälen mit Kriegspropaganda geteilt, in denen auf Ukrainer*innen mit dem rassistischen russischen Begriff „хохлы“ (hohly), geschimpft wird.

Zu sehen ist ein Telegrampost von „Zukunft Donbass“. Dieser besteht zunächst aus einem russichen Propagandavideo, daraufhin folgt Text in kyrillischen Schriftzeichen.
„Zukunft Donbass“ teilt russische Kriegspropaganda mit rassistischen antiukrainischen Schimpfworten auf Telegram (1. Wort letzter Absatz)

Ivana Steinigk reist seit Jahren als angebliche Friedensaktivistin durchs Land und tritt bei allen möglichen Nischenprojekten der Querdenken-Youtubeszene auf. Genauso beteiligt sie sich an der russischen Staatspropaganda, wenn sie etwa bei der bekannten Fakenews-Aktivistin Alina Lipp ein Interview gibt. Im selben Geiste las sich ihr „Humor“, als sie zwei Wochen nach dem Mordanschlag auf den mittlerweile verstorbenen nationalliberalen Oppositionsaktivisten Alexej Nawalnij 2020 mit einem öffentlich zugänglichen Facebook-Post Witze über das verwendete Gift Nowitschok machte.

Ein Facebookpost von „Ivana Hanna“ aka Ivana Reissigk vom 3. September 2020. Dort schreibt sie: „Ich sag nur: es ist ein wirklich gutes Mittel. Goldig gelb, geschmeidig, geht runter wie Öl.“
Ivana Reissigk macht sich auf Facebook über den Anschlag auf Nawalnij lustig („НОВИЧОК“ = „Nowitschok“)

„Zukunft Donbass“ bedient sich mittlerweile auch russischer neonazistischer Netzwerke, um die eigenen Spenden in den Donbass zu transportieren. In Deutschland operiert seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine die „Brüderliche Moto-Hilfe“ (russ. Bratskaja Moto-Pomoschtsch) als Ableger der russischen Nachtwölfe. Die Nachtwölfe sind vordergründig eine Motorradgruppe, die seit Jahren als russisch-nationalistische Aktivisten auffallen. Aufgrund ihrer bedingungslosen Unterstützung für Putins Politik wurden sie inzwischen in die russische Staatspropaganda eingebunden. Mitglieder der Nachtwölfe halfen Bildern zufolge im September 2025 bei der Beladung von Spenden-LKWs. „Zukunft Donbass“ bedankte sich zudem offiziell bei der „Brüderlichen Moto-Hilfe“ für die Auslieferung im Donbass.

In Deutschland exponiert sich Nikolaus Fast aus dem hessischen Schwalbach als Gesicht der Nachtwölfe bzw. als Gründer der „Brüderlichen Moto-Hilfe“. Fast zeigt sich nicht nur vom Angriff Russlands auf die Ukraine begeistert. Neben dem dafür stehenden „Z“ und unzähligen weiteren Abzeichen russischer Milizen in seinem Transporter ziert seine eigene Uniform ein Aufnäher mit der Aufschrift „Für Max“ und dem Konterfei des verstorbenen russischen Neonazi-Kaders Maksim „Tesak“ Martsinkewitsch. Martsinkewitsch starb 2020 in einem russischen Gefängnis, nachdem er aufgrund von Aussagen ehemaliger Kameraden über eine rassistische Mordserie verhaftet worden war.

Der Verein „Zukunft Donbass“ nutzt dementsprechend rechte russische Netzwerke, die zudem Teil der militärischen Infrastruktur des russischen Kriegs gegen die Ukraine sind. Die Ankündigungen zur Gründung der „Brüderlichen Moto-Hilfe“ und auch die russischen oder pro-russischen Milizen im Donbass unterstützen zu wollen, werden genauso umgesetzt: Nikolaus Fast veröffentlichte selber Videos davon, wie er Tarnnetze, Drohnen oder Scharfschützenausrüstung in den Donbass lieferte. Auch weitere Bilder zeugen davon, dass Fast direkt zu den Netzwerken prorussischer bzw. russischer Streitkräfte zählt.

Im linken Bild sind vier Personen zu sehen, drei völlig vermummt in Militäruniform. Außerdem tragen sie Helme und Sonnenbrillen und posieren stolz mit Gewehr. Anders gekleidet ist Nikolaus Fast, der sich mit einer Jacke in Camouflage allerdings ebenso um soldatisches Aussehen bemüht. Im zweiten Bild ist Fast erneut einer der zwei abgebildeten Personen. Der Mann neben ihm trägt ein schwarzes T-Shirt mit Pistolen-Aufdruck und lächelt in die Kamera. Zwischen ihnen liegen verschiedene Plastikbeutel (teils in Camouflage), im Hintergrund stehen mehrere Kisten.
Nikolaus Fast mit russischen Milizen (l.) und beim Transport von militärischen Gütern in den Donbass (r.)

Das offene Zurschaustellen seiner Unterstützung für prorussische Kämpfer im Donbass brachte Nikolaus Fast und seiner „Moto-Hilfe“ wiederholt kritische Aufmerksamkeit in Deutschland. Die Rechercheplattform Correctiv berichtete schon im Sommer 2025 über derartige Netzwerke in Deutschland. Im Februar 2025 folgten neue Berichte über Strafermittlungen gegen Fausts Netzwerke.

Bei „Zukunft Donbass“ deutet nichts darauf hin, dass es den AktivistInnen um die Familie Reinigk um eine Unterstützung prorussischer Kämpfer geht. Diese Zusammenarbeit mit der „Moto-Hilfe“ verdeutlicht jedoch, wie stark sich vordergründig zivilgesellschaftliche Initiativen in Deutschland mit solchen überschneiden, die von Deutschland aus für den militärischen Sieg Russlands und seiner Milizen in der (Ost-)Ukraine arbeiten.

Rechter „Antiimperialismus“

Für ein Verständnis der Russland-Faszination, wie sie das Ehepaar Böhm-Schneider mit großen Teilen der QuerdenkerInnen-Bewegung und deutschen Rechten teilt, lohnt sich ein Rückblick auf den 3.10.2022: Marion Schneider stand mit entzücktem Gesichtsausdruck in der ersten Reihe der Großkundgebung der vereinten Thüringer und sächsischen Rechten, als Björn Höcke eine Grundsatzrede pro Russland hielt. Höckes Rede strotzte vor Nationalismus und einem Vokabular aus dem Bereich der historischen NS-Ideologie, wenn er ausrief:

Wir sind die Stiefelknechte der Amerikaner und wir sind es bis heute. (…) Dieses Regenbogen-Imperium ist es, das uns den Kampf angesagt hat. (…) Sie wollen die Seelen unserer Kinder. Aber das werden wir nicht zulassen! (…) Mit einem Weiter so ist das unwiederbringliche Versinken in tödlicher Dekadenz so sicher wie das Amen in der Kirche. (…) Wenn ich mich jetzt für das deutsche Volk zwischen dem Regenbogen-Imperium entscheiden müsste und dem traditionellen Osten – ich wählte in dieser Lage den Osten.

Es mag verwundern, warum sich die Böhm-Schneiders mit ihrem Selbstbild friedensliebender KosmopolitInnen mit historischem Bewusstsein ausgerechnet der völkisch-nationalistischen Variante des Antiimperialismus zuwenden. Gleichwohl bietet Höcke viele Anknüpfungspunkte für ideologische Verirrungen, wie sie auch unter Linken seit Jahrzehnten fortleben: In der Ablehnung kapitalistischer Herrschaft und ihrer Kriege wird schon immer zu ideologischen Abkürzungen tendiert, die anstelle fundamentaler Kritik und universeller Werte schlicht zur Solidarität mit dem jeweiligen Feind westlicher Machtblöcke führen. Inwiefern die geopolitischen Gegenspieler westlicher Bündnisse innenpolitisch kapitalistische Ausbeutung verwirklichen und außenpolitisch eigene imperialistische Ziele verfolgen, ist für Anhänger*innen dieses schwarz-weiß gestrickten Antiimperialismus oft zweitrangig. Daraus entsteht ein autoritärer Antiimperialismus, den es in vielerlei Couleur gibt. Bei den Böhm-Schneiders ist es keine Kapitalismuskritik, sondern eine Mischung aus dem autoritären Antiimperialismus der alten Friedensbewegung und aus bürgerlichem Nationalismus, die eine Verklärung von Putins Russland bedingt. Die Böhm-Schneiders hingen bereits der Verschwörungserzählung an, dass die Maidan-Bewegung eine westliche Inszenierung gewesen sei. Dass ein Aufstand gegen die Janukowitsch-Regierung trotz seiner Unterstützung durch Regierungen der EU-Staaten und deren Strateg*innen ein authentischer Aufstand ukrainischer Bewegungen und oppositioneller Parteien sein kann, findet in dieser Weltsicht keinen Platz. Folgerichtig wurde die militärische Besetzung der Krim und die Aufrüstung ostukrainischer SeparatistInnen zur notwendigen Verteidigung gegen die vermeintliche NATO-Aggression angesehen und die russische Vollinvasion 2022 zur unweigerlichen Konsequenz des westlichen Imperialismus verklärt. Zu dieser im Kern autoritären und prorussischen Variante des Antiimperialismus gesellt sich bei den Böhm-Schneiders die bürgerliche Kränkung, dass sie trotz ihres Reichtums von geopolitisch bedingten Energiepreissteigerungen oder von pandemiebedingten staatlichen Restriktionen betroffen sind. Der naive ideologische Notausgang aus dieser der fortgeschrittenen Globalisierung geschuldeten Abhängigkeit ist eine nationalistische Absage an etwa Solidarität mit der angegriffenen Ukraine. Die Hinwendung zum autoritären und reaktionären Russland ist in erster Linie eine Projektion und eine Sehnsucht: Russland soll als Abbild der Vergangenheit mehrere Jahrzehnte vor dem heutigen Zustand der Globalisierung herhalten, wenngleich auch das völlig realitätsfern ist.

Die USA eignen sich dabei als besonders gutes Feindbild, weil ihre Beteiligung am militärischen Sieg über die NS-Herrschaft und die darauffolgende Militärpräsenz in Westdeutschland vielen Deutschen dauerhaft ihre Mitverantwortung für das Gelingen der Shoa und der Verbrechen im 2. Weltkrieg vor Augen hielt. In der Agitation gegen die „Völkermordzentrale“ USA, wie sie seit den späten Sechzigern unter westdeutschen Linken populär wurde, drückt sich das Unbehagen über die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte aus. Heute klingt diese ‚Kritik‘ in dem Antizionismus von Mehrheits-Deutschen nach, wenn sie gegen den Krieg in Gaza protestieren und dabei vor allem die eigenen Gefühle und das Bedürfnis nach deutscher Schuldabwehr bedient werden. Dass es einen linken Protest gegen die Kriegsführung von Netanjahu und Trump dringend braucht, bleibt davon unbenommen – wenn er zur Projektionsfläche deutscher Befindlichkeiten wird, ist das aber ein Problem. Auch eine linke Glorifizierung autoritärer sozialistischer Regime spiegelte oft weniger Solidarität mit der dort fortwährend in Armut und politischer Unfreiheit lebenden Arbeiter*innenklasse oder gar handfester Solidarität mit der lokalen linken Opposition wieder. Vielmehr ging es primär um das Selbstbild, nicht für die aktuellen Verbrechen der Bundesregierung und ihrer Bündnispartner verantwortlich zu sein und um eine Suche nach Erlösung durch andere Machtblöcke oder Regime – am Ende geht es also vor allem um deutsche Gefühle und wenig um die realen politischen Konflikte.

Der Höckesche „Antiimperialismus“ ist jedoch zusätzlich durch das völkische, faschistische Weltbild geprägt und unterscheidet sich dadurch von anderen Spielarten, wie sie quer durch verschiedene Spektren auftreten. Der Hass auf non-binäre und trans* Menschen, auf den Feminismus und auf nicht-heterosexuelle Beziehungen spielt neben Rassismus eine zentrale Rolle im explizit rechten „Antiimperialismus“. Und hier unterscheiden sich auch die Böhm-Schneiders von anderen ideologisch verirrten Friedensaktivist*innen: Sie teilen Höckes Hass auf kulturell liberale Gesellschaften und seine Projektion des „Naturbelassenen“ auf die russiche Gesellschaft. In Zeiten der ökonomischen Unsicherheit, der ökologischen Krise, der Pandemie und des Kriegs dient die Rückkehr zur patriarchalen, einheitlich weißen Gesellschaft als sicherer Hafen. Was Höcke mit klassisch faschistischer Ideologie am 3.10.2022 in Gera aussprach, suchen die Böhm-Schneiders ohne entsprechendes Selbstbekenntnis seit Langem. Ihre Reise durch Russland 2024 war eine einzige Suche nach Gegenbildern zu ihren schematischen Feindbildern.

Fazit

Die Kritik an Salve TV ist so wichtig, weil sich das Ehepaar Marion Schneider und Klaus-Dieter Böhm-Schneider mitten zwischen altlinkem, friedensbemühtem und rechtem Milieus bewegt. Und das tun sie aufgrund ihres Reichtums und eigener Medien mit gehöriger Wirkmacht. Mit ihren Unternehmen, kulturellem Engagement, kommunalpolitischer Aktivität und ihrem politischen Aktivismus erreichen sie viele Menschen und genießen vor allem hohe Anerkennung von Kommunal- und Landespolitik. Dabei stellen ihre politischen Aktivitäten, in deren Dienst sie auch den Lokalfernsehsender Salve TV stellen, eine Scharnierfunktion zur AfD und der autoritären Rechten dar.

Fairerweise muss man resümieren, dass Salve TV ganz überwiegend keinen rechts eingefärbten Journalismus betreibt. Die Redaktion macht zunächst konventionellen Lokaljournalismus, wie er vielerorts aus mangelnder Profitabilität seit Langem eingestellt wurde. Es wird – ohne gesellschaftskritischen Anspruch, aber auch ohne rechte Hetze – von Kulturveranstaltungen, Lokal- und Landespolitik berichtet. Zu landespolitischen Themen werden regelmäßig Abgeordnete aller Parteien inklusive der AfD zu Interviews geladen. Rechte Aufmärsche werden als solche benannt und kritisch eingeordnet – selbst wenn es um den Naziaufmarsch am 3.10.2022 in Gera geht, an dem die Hauptinvestorin des Senders, Marion Schneider, selber teilnahm. Insofern soll die Kritik am Sender hier deutlich eingeschränkt gelten: Jene Inhalte, in denen rechte AktivistInnen gepriesen oder rechte Verschwörungsmythen und Hetze verbreitet werden, kommen vom Ehepaar Böhm-Schneider selber. Sie trüben damit das Ansehen und die Unabhängigkeit der unverdächtigen und in weiten Teilen auch wichtigen lokaljournalistischen Arbeit ihrer eigenen Redaktion.

Eine Kritik am autoritären Antiimperialismus und am rechten Friedensaktivismus der Böhm-Schneiders ist jedoch dringend geboten. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass eine echte Friedensbewegung mehr als wünschenswert wäre. Ohne den Wunsch nach starken Führern und einfachen Lösungen fiele es nicht schwer, sich mit der Zivilbevölkerung auf beiden Seiten der Front zu solidarisieren. Ob in den ukrainischen Karpaten, in Dnipro, Sewastopol, Donezk oder auf dem russischen Kernterritorium haben alle Menschen ein Leben jenseits von Wehrpflicht, Drohnen, Bomben und militärischer Besatzung verdient. Russlands Führung hat den Krieg begonnen – was nicht heißt, dass unter anderem Nationalismus, die Erschließung neuer Absatzmärkte und der Zugriff auf Rohstoffe nicht systembedingt eine Motivation für verschiedenste Regime und Machtblöcke wären, Konflikte herauszufordern oder Kriege zu führen. Eine Kritik an Krieg und Kapitalismus muss daher ebenso umfassend sein wie die Forderung nach universellen Freiheiten und Rechten für alle Menschen weltweit.

Dasselbe betrifft eine Autoritarismuskritik: Die Böhm-Schneiders empören sich einhellig mit Querdenken und der versammelten Rechten über vermeintliche Einschränkungen der Meinungsfreiheit in Deutschland oder autoritäre Eingriffe während der Pandemiebekämpfung. Nichts würde angesichts des verbreiteten Interesses für Russland näherliegen, als dieselben Maßstäbe dort anzuwenden: Die russische Regierung verhängte 2020 sehr viel weitgehendere Lockdown-Maßnahmen als die EU-Staaten. Dasselbe Land stellt seit dem Angriff auf die Ukraine die Verwendung des Begriffs „Krieg“ in diesem Kontext unter Strafe. Wer für Freiheit kämpfen will, sollte daher nochmal überlegen, wie gut sich Russlandflaggen und -verherrlichung in der eigenen Bewegung machen – während Systemkritiker*innen in Russland unter schwierigsten, auch schon Jahre vor dem Krieg zunehmend autoritärer gestalteten Bedingungen, um elementare Rechte kämpfen.

Es ist ein ernsthaftes Problem, dass sich die Böhm-Schneiders so ungestört durch die Zivilgesellschaft und den Kulturbetrieb des Weimarer Landes bewegen können. Das zeigt, wie es um das Bürgertum in Thüringen bestellt ist: Man lässt sich von Wohlfühl-Schlagwörtern wie ‚Dialog‘ oder ‚Frieden‘ einlullen und bemerkt nicht, dass man es mit handfesten Rechten zu tun hat, die während der Pandemie Menschen in Gefahr gebracht haben, den Angriffskrieg auf die Ukraine faktisch unterstützen und die faschistischen Parolen der AfD verbreiten. Das wohlfeile Anliegen eines Eintretens für Frieden wird dadurch stark beschädigt und eben jene Spaltungen erst produziert, die von den QuerdenkerInnen vorgeblich überwunden werden sollen. Dabei wären eine tatsächlich linke, antiautoritäre Friedensbewegung, ein Widerstand gegen Wehrpflicht und Aufrüstung und eine Solidarität mit Linken in Russland wie in der Ukraine dringend notwendig.