
Vom 25.-27. September steht in Liebstedt zwischen Weimar und Apolda eine Neuauflage des rechtsoffenen Kongresses „Frieden und Dialog“ an, der vom umtriebigen Unternehmerpaar Marion Schneider und Klaus-Dieter Böhm-Schneider organisiert wird. Auch dieses Jahr werden dort ReferentInnen erwartet, die zur (extrem) rechten und verschwörungsideologischen Mischszene gehören. Der Kongress wird seit 2024 auf der Ordensburg Liebstedt veranstaltet, die zum Imperium von Marion Schneider und Klaus-Dieter Böhm-Schneider gehört, über deren politische Aktivitäten in der extremen Rechten und kremlfreundlichen Szene wir Anfang Juni ausführlich berichteten. Den beiden gehört nicht nur die Toskana-Therme in Bad Sulza nebst weiteren Hotels und Wellness-Einrichtungen, sie sind auch EigentümerInnen des Lokalsenders Salve TV. Wie wir gezeigt haben, nutzen die beiden ihren Sender für die Verbreitung von rechten und menschenfeindlichen Inhalten, wenn etwa Diether Dehm eine eigene Sendung moderiert, Björn Höcke schulterklopfend interviewt wird oder Klaus-Dieter Böhm-Schneider selber gegen marginalisierte Gruppen austeilt. In diesem Artikel wollen wir uns dem politischen und kulturellen Netzwerk der Böhm-Schneiders widmen und dazu den Kongress „Frieden und Dialog“ unter die Lupe nehmen. Wir weisen an dieser Stelle auf den Artikel und den Protest der „Antiverschwurbelten Aktion“ gegen den Kongress im September 2025 hin, von dem hier nachzulesen ist. Die Aktivist*innen nennen den Kongress in ihrem Artikel eine „putinistische Querfront-Veranstaltung“. Diese Einschätzung teilen wir und rufen alle Antifaschist*innen dazu auf, sich mit dem Kongress auseinanderzusetzen und ihn dieses Jahr nicht unwidersprochen geschehen zu lassen.
Der Kongress
Wer einen Blick in das Programm von 2026 wirft, sieht einen ganzen Blumenstrauß an Themen, die nur mittelbar zusammenzuhängen scheinen. Wir wollen dieser Übersicht voranstellen, dass sicher nicht alle Referent*innen und Teilnehmer*innen des Kongresses ein geschlossen rechtes Weltbild haben. Wer ins Programm schaut, sieht viele Workshops, in denen es vor allem um Esoterik, „Heilung“ und gewaltfreie Kommunikation geht. Hier wird Frieden als etwas verhandelt, dass sich im Inneren und im direkten Miteinander von Menschen erarbeiten lässt. Das entpolitisiert Debatten völlig und lädt die Teilnehmenden dazu ein, sich mit den eigenen Befindlichkeiten zu befassen – an einem Ort, der bequemerweise weit weg von den aktuellen globalen Krisen und Kriegen liegt. Problematisch ist aber vor allem, dass die AnbieterInnen dieser esoterischen Angebote kein Problem damit zu haben scheinen, sich von Marion Schneider einladen zu lassen und gemeinsam mit Personen aus der rechten Szene, antisemitischen VerschwörungsideologInnen und QuerdenkerInnen aufzutreten und „in den Dialog“ zu gehen. Mit dem geplanten Kinderprogramm zu Beginn des Kongresses am Freitag besteht zudem die Gefahr, dass bereits Kindern rechte und verschwörungstheoretische Inhalte nähergebracht werden.
Besorgniserregend ist auch, dass die benachbarte St. Laurentius Kirche in Liebstedt und der Liebstedter Feuerwehrverein Bestandteil des Kongressprogrammes sind und damit zur Normalisierung und Verharmlosung solcher verschwörungsideologischen Inhalte beitragen. Wir haben die Evangelische Kirche Thüringen über unsere Recherche informiert und gefragt, ob ihre Mitwirkung an dem Kongress mit ihren Werten vereinbar ist. Die Kirche verspricht, verantwortungsvoll mit dem Thema umzugehen und macht klar, dass der Gottesdienst inhaltlich nicht von der Kongress-Orga gestaltet sei und auch nicht in der Verantwortung der Kirchengemeinde Liebstedt stünde, sondern lediglich von der örtlichen Pfarrerin gestaltet werde. Auf unsere Fragen, warum zum Beispiel im letzten Jahr die rechte Liedermacherin Corinna Gehre in der Kirche in Liebstedt auftreten durfte, warum der Gottesdienst im offiziellen Programm angekündigt wird und ob es Absprachen mit der Kongress-Orga gab, haben wir keine Antwort erhalten. Wir bleiben gespannt, was ein verantwortungsvoller Umgang für die St. Laurentius Kirche bedeutet, da bis zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung keine Form der Distanzierung durch die Kirche vorgenommen wurde und auch das Verhältnis von Pfarrerin und Gemeinde zum Kongress nicht transparent gemacht wurde, schon gar nicht öffentlich.
ReferentInnen des Kongresses 2026: Antisemitismus und rechte Netzwerke
Ralf Ludwig

Ralf Ludwig ist gern gesehener Gast bei den Weimarer „Friedenskongressen“. Er nahm bereits 2025 als Referent teil und wird für dieses Jahr erneut angekündigt. Er ist bekannt als Rechtsanwalt der Querdenken-Bewegung und als Gefährte sowie Verteidiger von Michael Ballweg, welcher selbst 2024 beim „Friedenskongress“ auftrat. Wie eine Recherche von t-online von 2023 zeigt, ist Ludwig vor allem gut darin, seinen AnhängerInnen Geld aus der Tasche zu ziehen. Sein Geschäftsmodell besteht darin, mit seinen Vereinen Geld zu sammeln und dann Aufträge an Firmen zu vergeben, bei denen er selbst einen großen Anteil hat. Im Jahr 2024 kündigte er an, auf einer gemeinsamen Liste des Vereins „Freie Wähler Thüringen e. V.“, „Bürger für Thüringen“ und „dieBasis“ für den Thüringer Landtag zu kandidieren. Die gemeinsame Liste kam dann offenbar wegen Uneinigkeiten doch nicht zustande und Ralf Ludwig war gar nicht erst für die Wahl angetreten. Die AfD bezeichnete er als demokratisch und fügte hinzu: „Was als rechtsextrem bezeichnet wird, das muss politisch diskutiert werden“. Ludwig hat dementsprechend auch kein Problem, mit der AfD bei Demos zusammenzuarbeiten, wie z.B. in Berlin am 03.10.2023 oder in Magdeburg am 16.09.2023. Er ist zudem Mitgründer von „Wabeo“, einer rechten Plattform zur Wahlbeobachtung. Wie wir im Januar 2025 bereits berichtet hatten, ist der Verein auch in Jena aktiv und personell eng mit dem Hayek-Club Jena verbunden. Hinter den Zielen des Vereins steht der Gedanke, dass rechte Parteien systematisch bei den Wahlen benachteiligt würden und es deswegen einer besonderen Wahlbeobachtung bedürfe.
Ute Bergner

Zu einer Lesung auf dem Kongress ist die Jenaerin Ute Bergner eingeladen. 2025 veröffentlichte sie das Buch „Zwischen Brücken und Brandmauern“ im Bien Verlag in Gotha, mit einem Vorwort der rechten Publizistin Vera Lengsfeld. Lengsfeld, ehemalige Pegida-Unterstützerin und u.a. bekannt durch die Gleichsetzung der Amadeu-Antonio-Stiftung mit der SED, warb im März 2026 mit einem ausführlichen Artikel für Bergners Buch auf dem rechten Blog „Die Achse des Guten“, zu dessen AutorInnenschaft u.a. Thilo Sarrazin gehört. Bergner saß von 2019 bis 2024 als Abgeordnete im Thüringer Landtag, zunächst für die FDP, ab 2020 dann als Parteilose. 2021 trat sie den „Bürgern für Thüringen“ bei und gründete 2022 zusammen mit extrem rechten und ehemaligen AfD-Abgeordneten kurzzeitig eine eigene parlamentarische Gruppe. Bei den „Bürgern für Thüringen“ handelt es sich um einen Verein, welcher der QuerdenkerInnen-Bewegung nahesteht. Zu den Aktivitäten gehörte etwa die Veranstaltung einer Lesung mit dem oben vorgestellten Ralf Ludwig 2024 in Eisenach. Anfang 2024 ist die Partei „Bürger für Thüringen“ mit der rechtskonservativen „WerteUnion“ fusioniert, der gleichnamige Verein „Bürger für Thüringen“ existiert aber weiterhin.

Wie ernst es Ute Bergner mit Netzwerken bis ins neofaschistische Spektrum ist, zeigte sich zudem an ihrem Engagement für die rassistischen Aufmärsche im südthüringischen Schleusingen im Frühjahr 2023. Hier hatte der Neonazi-Unternehmer Tommy Frenck im April 2023 gegen die Pläne des Landratsamts mobil gemacht, in einem geschlossenen Krankenhaus Geflüchtete unterzubringen. Diesem Protest schlossen sich hunderte Bürger*innen an, aus deren Reihen sich eine Initiative rund um den Neonazi-Kader Marcel Funke von der Splitterpartei „Der Dritte Weg“ gründete, die weitere Aufmärsche organisierte. Nachdem diese Hintergründe bereits zur Genüge öffentlich bekannt waren und Neonazis im Konflikt mit einem Mitorganisator sogar handgreiflich wurden, kam auch Ute Bergner nach Schleusingen und trat neben dem Neonazi Marcel Funke als Rednerin auf.

Reiner Braun

Der Referent Reiner Braun ist spätestens seit den 80er Jahren Teil der Friedensbewegung. An seinem Engagment lässt sich exemplarisch ablesen, was politisch in Teilen der deutschen Friedensbewegung schief läuft. Er war bis 2022 Vorstand bei „Aktiv für den Frieden – Stopp Ramstein e.V.“. Wie die Rechercheplattform Rhein-Main Rechtsaußen analysiert hat, steht der Verein für die Zusammenarbeit mit den rechtsoffenen „Montagsmahnwachen“, für nationalistische Untertöne und die Kooperationen mit Verschwörungstheoretikern wie Daniele Ganser und Ken Jebsen. Rhein-Main Rechtsaußen gibt Beispiele, die zeigen „wie nah Reiner Braun der rechten Verschwörungsszene steht. So reiste er „am 19. Mai 2024 […] angeblich spontan zu einem rechten Aufzug am Hambacher Schloss in Neustadt an der Weinstraße und hielt dort eine Rede. Darin wies er die Schuld am Krieg gegen die Ukraine einseitig den USA und der NATO zu. Da überrascht es nicht, dass Braun im Laufe der letzten Jahre bundesweit an einigen weiteren rechtsoffenen und verschwörungstheoretischen Demonstrationen als Redner teilnahm. Darunter die verschwörungsideologische „Friedensdemo“ in Frankfurt am 29.06.2024, die rechtsoffene „Nie wieder Krieg“ Demo mit Sahra Wagenknecht in Berlin am 03.10.2024 und am 03.10.2023 bei der verschwörungsideologischen Friedensdemo in München. Bereits im Jahr 2024 saß er bei „Frieden und Dialog“ gemeinsam mit Christine Reymann und Querdenken-Gründer Michael Ballweg auf einem Podium. Reymann war früher in der Linkspartei und tritt seit Jahren mit dem autoritären, kremltreuen Teil der Friedensbewegung auf, wie wir weiter unten noch erläutern.
Alexej Sesterheim

Im Programm stößt man desweiteren auf Alexej Sesterheim, er spricht auf dem Kongress unter anderem zum Thema „Hexenverfolgung“. Schaut man sich seine Facebook-Seite an, sieht man, dass er am laufenden Band antisemitische Verschwörungserzählungen teilt. Er schreckt auch vor expliziten Zuschreibungen nicht zurück und suggeriert in klassisch antisemitischer Manier, „die Rothschild-Familie“ und George Soros würden die Fäden des Weltgeschehens im Verborgenen ziehen.

Seine Überzeugungen lebt er nicht nur auf Facebook aus, sondern auch auf der Straße. Seit 2020 beteiligte er sich an zahlreichen Veranstaltungen aus der QuerdenkerInnen-Szene u.a. in Göttingen, Hannover und Duderstadt.
Jan Wetzel (Yann Song-King)

Der Dresdener Musiker Jan Wetzel, der unter dem Namen Yann Song-King auftritt und ebenfalls zum wiederholten Mal beim Friedenskongress als Liedermacher geladen ist, wird auf der Website als Musiker mit dem „Wunsch nach einem friedlichen Miteinander“ angekündigt. Er trat bundesweit bei zahlreichen (extrem) rechten Montagsaufmärschen, bei Veranstaltungen der AfD und auf der Compact-Kundgebung mit dem Motto „Die Blaue Welle“ am 27. April 2024 in Zittau auf. Außerdem war er Gast bei einem Interviewformat („Sonntagsgespräch“) der Neonazi-Splitterpartei „Freie Sachsen“. Wetzel zieht in seinen zahlreichen Posts und Songs wahlweise über Coronamaßnahmen, Klimaaktivismus, Geschlechtervielfalt, die Omas gegen Rechts oder Kritik an Putin und der AfD her.

Florian Pfaff

Auch der durch eine Befehlsverweigerung bei der Bundeswehr bekannte Florian D. Pfaff, der bereits 2024 und 2025 Vorträge beim Friedenskongress hielt, ist erneut als Referent angekündigt. Er ist Mitglied der Partei „dieBasis“ und hielt bereits bei verschiedenen Querfront- und Querdenken-Demos Reden. Dort verbreitet er unter anderem russische Propaganda, z.B. dass die Ukraine den aktuellen Krieg begonnen hätte. Mit Neonazis hat Pfaff kein Problem, wie beispielsweise sein Auftritt als Redner einer Kundgebung von Nadine Alt in Regensburg zeigt. Wie die Regensburger Antifa-Gruppe Anita f. offenlegt, war Nadine Alt in den 2010er Jahren im Umfeld des neonazistischen „Freien Netz Süd“ bzw. des „III. Wegs“ aktiv und trägt ihre neonazistische Ideologie weiterhin mit Ohrringen in Form des Neonazi-Symbols der „Schwarzen Sonne“ nach außen.
Ivana Steinigk

Über die Referentin Iwana Steinigk hatten wir bereits berichtet. Auch sie ist schon zum zweiten Mal als Referentin für den Friedenskongress geladen. Steinigk ist aktiv im Thüringer Aktionsbündnis „Zukunft Donbass“ und tritt als angebliche Friedensaktivistin bei zahlreichen Nischenprojekten der Querdenken-Youtubeszene auf. Während „Zukunft Donbass“ sich als humanistische Hilfsorganisation darstellt, sind deren politischen Motive und Netzwerke höchst fragwürdig. So teilt das Aktionsbündnis russische Kriegspropaganda, beleidigt Ukrainer*innen mit rassistischen Schimpfwörtern und bedient sich russischer Neonazi-Netzwerke bei der Verladung von Spenden, die gleichzeitig auch militärische Ausrüstung, einschließlich Drohnen, in die Ostukraine transportieren.
ReferentInnen des Kongresses 2025: Reichsbürger und Rechtsabbieger
Claudio Zanetti

Claudio Zanetti saß von 2015 bis 2019 für die rechte Schweizer Volkspartei im Schweizer Nationalrat. Er ist Trump-Unterstützer, leugnet den menschengemachten Klimawandel und war laut Recherchen des Schweizer Magazins „Republik“ Stiftungsrat der Atlantis-Stiftung unter der Präsidentschaft von Hans-Georg Maaßen. Im Jahr 2025 gründete Zanetti dann den „Leonhard-Kreis“, zu dem u.a. Thilo Sarrazin und Hans-Georg Maaßen gehören. Zanetti und Ludwig haben mindestens zwei gemeinsame Projekte, eines davon das sogenannte „Zentrum zur Aufarbeitung, Aufklärung, juristischen Verfolgung und Verhinderung von Verbrechen gegen die Menschheit“ (ZAAVV). Laut Rhein-Main Rechtsaußen kämpft das in Österreich ansässige Zentrum in verschwörungstheoretischer Manier gegen das „Corona-Unrecht“ und lässt sich dabei z.B. Plakatflächen von bekannten Reichsbürgern finanzieren.
Matthias Berger

Auf einem Podium mit Ralf Ludwig und Marion Schneider saß auch der ehemalige Bürgermeister der Stadt Grimma (Sachsen), Matthias Berger. Berger ist seit 2024 parteilos für die Freien Wähler im Sächsischen Landtag. Wie der MDR berichtete, hält Berger eine Abgrenzung von der AfD nicht für notwendig – entgegen dem Kooperationsverbot, welches sich die Freien Wähler gegeben haben. Vielmehr hat er in der Vergangenheit mit der AfD zusammengearbeitet und sich mit deren Fraktionschef Jörg Urban ablichten lassen.
André Krengel

Der Gitarrist Andŕe Krengel ist seit 2020 Teil der Querdenken-Bewegung ist und trat z.B. am 14.11.2020 in Regensburg bei „Querdenken 941“ auf. Er war laut eigenen Angaben Teil des Treffens von Querdenkern um Michael Ballweg mit Peter Fitzek, dem Kopf der angeklagten Reichsbürgergruppe „Königreich Deutschland“ am 15.11.2020 in Saalfeld. Nach dem Treffen behauptete er von Michael Ballweg in eine Falle gelockt worden zu sein und von der Einladung von Fitzek nichts gewusst zu haben. Dabei geht es ihm aber nicht um eine inhaltliche Kritik an Fitzek, sondern um die Gefahr, dadurch von der Polizei erwischt zu werden. Er beschreibt es in dem Sinne auch als positive Fügung, dass er früher los musste und seine Freundin ihn zum Bahnhof gefahren habe. Dadurch habe er die Polizei gesehen und die Teilnehmer*innen warnen können, dass der Veranstaltungsort durch die Polizei umstellt war.

Corinna Gehre

Die Jenaer Pandemieleugnerin und „Friedensaktivistin“ Corinna Gehre ist eine alte Bekannte, über die wir zuletzt in unserer Personenübersicht der Jenaer Rechten ausführlich berichtet haben. Sie nahm an zahlreichen rechten Montagsdemos teil, darunter an solchen, die vom Geraer Neonazi Christian Klar organisiert wurden.
Diether Dehm

Noch viel bekannter ist Diether Dehm, der auf dem Kongress mit seiner kommunistischen Vergangenheit prahlte, mittlerweile aber dort angekommen ist, wohin ihn sein Weg als Querfrontler, Antisemit und Pandemieleugner gewiesen hat: ins vertrauensvolle Gespräch mit der extremen Rechten. Einen Tag vor dem Kongress hatte Salve TV ein Video hochgeladen, in dem Dehm und Björn Höcke gemeinsam interviewt wurden.

Darüber hinaus hielt Dehm bei der rechten Buchmesse in Halle im November 2025 eine Lesung seines Romans, inklusive Selfie mit dem extrem rechten Aktivisten und AfD-Mitarbeiter Benedikt Kaiser. Dazu passt, dass Dehm sich bereits in der Vergangenheit von Zeitschriften wie „Compact“ und „Aufgewacht“ interviewen ließ.

Dehm ist zudem Redner und Mitinitiator bei rechten Querdenker- und Querfront-Kundgebungen. Dort tritt er mit Neonazi Christian Klar, Compact-Chef Jürgen Elsässer und diversen AfD-PolitikerInnen auf. Bei prorussischen Kundgebungen singt Dehm gerne eine eigene „Deutschland, Deutschland über alles“-Strophe, um zu „provozieren“ und spricht Wahlempfehlungen für AfD und BSW aus. Bei einer prorussischen Demo in München am 14.02.26, bei der neben Dehm auch ein AfD-Redner auftrat, freute er sich: „Heute ist die Brandmauer gefallen“.
Christiane Reymann

Am Rednerpult zum Thema deutsch-russische Zusammenarbeit stand Christiane Reymann, ehemaliges Mitglied der Linkspartei und Putin-Fan. Sie war zusammen mit Michael Ballweg, Ken Jebsen und Ralf Ludwig Rednerin bei der Querdenken-Demo in Berlin am 05.08.2023 und hat bei zahlreichen weiteren prorussischen Versammlungen teilgenommen und Redebeiträge gehalten. 2024 saß sie bereits beim „Frieden und Dialog“-Kongress mit Ballweg auf einem Podium.

Hauke Ritz

Auch der selbsternannte „Experte für Geopolitik“ Hauke Ritz war mit einem Vortrag auf dem Kongress vertreten. Ritz hat erst kürzlich das Buch „Endspiel Europa“ beim Westend Verlag mit der Publizistin Ulrike Guérot veröffentlicht. Guérot nahm 2025 an einer „Friedensdemo“ in Dresden teil, neben Gästen wie Diether Dehm und dem Neonazi Christian Klar. Das Buch von Ritz und Guérot enthält russische Propaganda und antiamerkanische Verschwörungserzählungen, denen zufolge es in der Ukraine geheime amerikanische Chemiewaffenlabore gäbe, die speziell auf „den Genotyp des Feindes zugeschnitten“ seien, womit sowohl der russische Angriffkrieg auf absurde Weise gerechtfertigt und ganz nebenbei auch noch die Existenz von unterschiedlichen menschlichen „Rassen“ angedeutet wird. Das ist nicht Ritz‘ einziges Buchprojekt, das bei Rechten Gefallen findet: Sein Buch „Vom Niedergang des Westens zur Neuerfindung Europas“ (ProMedia-Verlag) wird auch vom extrem rechten „Antaios-Verlag“ für so gut befunden, dass es dort bestellt werden kann.
Annliese Fikentscher und Andreas Neumann

Annliese Fikentscher und Andreas Neumann hielten 2025 auf dem Kongress einen Vortrag zu Strategien für ein „neutrales Deutschland“ und zur gleichnamigen Kampagne. Zu den ErstunterzeichnerInnen gehören zahlreiche PandemieleugnerInnen, Putin-FreundInnen und VerschwörungstheoretikerInnen wie z.B. Daniele Ganser und Friedenskongress-ReferentInnen wie Diether Dehm und Marion Schneider. Neumann und Fikentscher sind beide Mitglied der AG Frieden von „dieBasis“ in Köln, welche die Kampagne initiert hat. Fikentscher ist zugleich im Landesvorstand von „dieBasis“ in Nordrhein-Westfalen. Auf deren Website offenbart Fikentscher ihr verschwörungstheoretisches Weltbild: „Die Welt wird in großem Umfang von undemokratischen Kräften im Hintergrund beherrscht. Das muss sich ändern. Corona war eine perfide Operation dieser Kreise.“
Die beiden betreiben mehrere fragwürdige Projekte, darunter die Quartalsschrift „DAS KROKODIL“, die „Arbeiterfotografie“ und die Online-Publikation „Neue Rheinische Zeitung“. Der von der Zeitung vergeben „Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik“ ging 2017 an Ken Jebsen und 2023 an Michael Ballweg. In ihren Publikationen hatten Fikentscher und Neumann 2012 (ein Jahr nach der Selbstenttarnung des NSU) in verschwörungsidelogischem Duktus suggeriert, der NSU wäre eine „False-Flag-Operation“ bzw. „Desorientierungsmanöver“ gewesen, um von Kriegen der USA abzulenken. Sie monieren, das dem NSU zu viel Aufmerksamkeit gewidmet würde: „Statt die Terrorzelle namens NATO ins Bewusstsein zu rücken, wird auf die Zwickauer Terrorzelle orientiert“. Auch wegen der antisemitischen Erzählung, Jörg Haider (rechter Politiker aus Österreich, verstorben bei einem Verkehrsunfall) sei von Israel ermordet worden, standen sie bereits in der öffentlichen Kritik.
Fazit: Den Kongress 2026 nicht unwidersprochen lassen!
Während 2025 die Loyalität mit Putins Russland und Verschwörungstheorien im Vordergrund standen, gibt es 2026 Vorträge, die weniger verfänglich klingen, aber auch von AntisemitInnen, Putin- und AfD-FreundInnen und VerschwörungsideologInnen gehalten werden. Zudem gibt es ein künstlerisches und spirituelles Angebot, das den Eindruck erweckt, Frieden sei etwas, was man im Inneren bzw. in der „wertfreien“ Kommunikation in seinem Umfeld herstellen könne. Dass es dabei mal wieder um (deutsche) Befindlichkeiten statt um Analyse und Politik geht und Inhalte keine Rolle mehr spielen, scheint kein Problem zu sein. Wirklich problematisch sind Personen wie Wenzel, Ludwig, Steinigk oder Sestersheim, die jahrelange Erfahrung im Aktivismus haben und menschenfeindliche Inhalte verbreiten. Sie erhalten eine Bühne für ihre Thesen und erfahren keinen Gegenwind. So ist der Kongress ein Multiplikator für Antisemitismus, Anbiederung an das autoritäre Regime Putins, die AfD und (andere) Neonazis, die Leugnung der Corona-Pandemie, sowie für allerhand andere reaktionäre Ideen. Und er fungiert als Ort des Netzwerkens, wo die Szene, die sich um den komplett entleerten Begriff „Frieden“ versammelt, zusammenkommen kann.
Unsere Recherche bestätigt unsere Schlussfolgerung aus Teil I. Die Böhme-Schneiders haben sich ein unternehmerisches, kulturelles und politisches Netzwerk aufgebaut, in dem (extrem) rechte und verschwörungstheoretische Positionen zum Kerngeschäft gehören. Darum herum gibt es Personen, die zunächst unpolitisch auftreten, dabei aber kein Problem haben, sich mit Rechten eine Bühne zu teilen. Neben unpolitischen Künstler*innen und Spirituellen besteht das Netzwerk aus Putin-Fans, CoronaleugnerInnen, AntisemitInnen, AfD-FreundInnen, QuerfrontlerInnen und Friedensbewegten, die schon vor Jahre politisch falsch abgebogen sind.
Wir freuen uns, wenn der Kongress 2026 nicht unwidersprochen bleibt.