
Diese Ankündigung dürfte niemanden überrascht haben: Thüringens ehemalige „Junge Alternative“ (JA) hat sich mit Deckungsgleichheit ihres Führungspersonals Mitte Januar in Ilmenau im Hotel Tanne, Sitz der schlagenden Burschenschaft „Vandalia“, neu gegründet. Björn Höcke erschien persönlich, um die Richtung vorzugeben. Die formelle Eingliederung der Jugendorganisation in die Partei wäre in Thüringen kaum nötig gewesen: Die sich rebellisch gebende Jugend ist seit jeher dem Landesparteichef völlig ergeben und zeichnete sich zu keinem Zeitpunkt durch eigene Standpunkte und Kritik an der Parteilinie aus. Die AktivistInnen der ehemaligen JA, die nun als „Generation Deutschland“ weitermachen, sind seit Jahren das Bindeglied zwischen Partei und junger Neonaziszene sowie der „Identitären Bewegung“. Für diese Linie steht auch der neugewählte Vorstand der Thüringer „Generation Deutschland“. Dem neuen Vorstand der Parteijugend gehört als Beisitzer auch Höckes neuer Büroleiter Niklas Aust an, der aus der niedersächsischen Neonaziszene kommt. Der selbstgewählte Spitzname „Höcke-Jugend“ mit Anspielung auf die historische HJ („Hitlerjugend“) passt bestens. Im Folgenden präsentieren wir einen Überblick über das Führungspersonal und die regionalen Schwerpunkte der neu aufgestellten Jugendorganisation.
Identitäre und AfD-Jugend: NeofaschistInnen in wechselnden Gewändern
Bereits der Name der neuen AfD-Jugendorganisation, „Generation Deutschland“ (GD) ist eine offensichtliche Anlehnung an den Ursprung der neofaschistischen „Identitären Bewegung“ (IB), die als „Génération Identitaire“ in Frankreich entstand. Die Führungsriege der aufgelösten JA-Landesverbände und des Bundesverbands ist fast durchgehend mit der IB vernetzt, teilweise kann man auch von personellen Überschneidungen sprechen. Alleine der Bundesvorsitzende der neuen GD, Jean-Pascal Hohm, stammt aus dem von Neonazis dominierten Cottbusser Fußballmilieu und war für die nationalistische Plattform „Ein Prozent“ aktiv. Auch Anna Leisten aus Brandenburg, eine der zentralen Stimmen der aufgelösten JA, verzahnte die AfD-Jugend mit den Identitären. So erschien sie persönlich zur Eröffnung der neuen Bundeszentrale der Identitären in Chemnitz. Leisten ist inzwischen mit dem Thüringer AfD-Bundestagsmitglied Torben Braga liiert und hat sich politisch vorerst zurückgezogen. Ihr Versuch, die Parteijugend außerparlamentarisch aufzustellen, wird jedoch fortgeführt. Denn ohne die vom Brandenburger JA-Landesverband geprägte plumpe rassistische Hetze „Wir schieben sie alle ab“ oder Auftritte von Rechtsrockern bei Partys der Parteijugend fehlt der Jugendorganisation eine auf Provokation basierende Attraktivität. In Landschaften, wo die Mehrheitsmeinung ohnehin von Autoritarismus, Nationalismus und Rassismus dominiert ist, braucht eine rechte Jugendorganisation Elemente der selbst im rechten Mainstream nicht immer mehrheitsfähigen Neonaziszene, um interessant zu bleiben.
Die Thüringer Führungskader der einstigen JA und neuen GD zählen genauso zu dieser Linie der alten JA, die auch von Thüringens Parteichef Björn Höcke so vorgegeben wird. Das Motto dieser Leute: Wir distanzieren uns von niemandem und die Partei kann nur durch eine Zusammenarbeit mit den als „Vorfeld“ bezeichneten außerparlamentarischen Bewegungen aus neofaschistischer Jugend, Neonazigruppen, ReichsbürgerInnen, dem völkischen und dem verschwörungsideologischen Milieu Erfolg haben. Entsprechend reist das Thüringer JA-Führungspersonal seit Jahren regelmäßig zu den Ideologieschulungen nach Schnellroda (ehemaliges „Institut für Staatspolitik“) und multipliziert die dort vorgegebenen rassistischen und nationalistischen Parolen auf ihren Aktionen und in digitalen Präsenzen. Erst am 23.1.2026 war eine Abordnung des Thüringer GD-Vorstands erneut bei einer „Winterakademie“ mit Martin Sellner in Schnellroda. Um die zahlreichen Überschneidungen zwischen der außerparlamentarischen, teils militanten Rechten und der alten wie neuen AfD-Parteijugend zu illustrieren, stellen wir im Folgenden zentrale Thüringer Mitglieder der GD vor.
Alexander Claus – Thüringer Vertreter im Bundesvorstand
Als Alter Herr der rechten Jenaer „Urburschenschaft“ Germania zählt Alexander Claus zu den dienstältesten AktivistInnen der Thüringer AfD-Jugend, der über die Jahre zahlreiche neue Mitglieder mitbrachte und Ämter bekleidete. Seine Burschenschaft war lange ein Mobilisierungsapparat für die JA und für die IB. Claus selbst nahm mit seinen Burschenkameraden, u.a. dem JA-Aktivisten Benedikt Kern-Wagner, am 22.8.2020 an einem nichtöffentlichen Treffen neofaschistischer Burschenschaften in Jena-Maua teil, wo „Pro-Patria-Mensuren“ abgehalten wurden – die illegale Form burschenschaftlicher Fechtduelle ohne ausreichenden Kopfschutz. Dieses Treffen wurde von der Neonazi-Burschenschaft „Normannia“ organisiert, die aus dem „Thüringer Heimatschutz“ hervorging und bis heute zur Unterstützerszene des NSU-Mordhelfers Ralf Wohlleben zählt.

Alexander Claus ist beim Gründungskongress der Bundesorganisation der GD in Gießen in den Bundesvorstand gewählt worden. Als Bundesvorstand unterstützte er am vergangenen Samstag die Gründung des Thüringer Landesverbands. Claus ist mittlerweile Stadtratsmitglied in Erfurt und kandidierte erfolglos gegen Bodo Ramelow für den Bundestag. Zudem sitzt er im Landesvorstand der Thüringer AfD. Alexander Claus personifiziert das Bestreben des AfD-Landesverbands, die Parteijugend noch stärker zu kontrollieren. Während er als Mitarbeiter der Landtagsfraktion bereits vor der Neugründung zum Parteiapparat zählte, baute der aktivistische JA-Führungskreis um Carolin Lichtenheld ihre bundesweiten Netzwerke in Richtung Schnellroda und Identitäre Bewegung aus. Doch auch Claus besuchte die sogenannte Winterakademie in Schnellroda im Februar 2024. Claus befürwortete die Auflösung der JA – im Gegensatz zu Carolin Lichtenheld und Eric Engelhardt. Nach diesem letztlich auch von Höcke mitgetragenen Durchgriff gegen die parteiungebundene Parteijugend trat Claus als neuer Sprecher auf Veranstaltungen im Vorfeld der Neugründung auf. In dieser Rolle warb er, Recherchen von RBB Kontraste zufolge, intern trotz Parteidisziplin für eine Kontinuität aktivistischer Aktionen wobei ein Auftreten als Parteijugend vermieden werden solle. Passend dazu erklärte Claus die „Rechtsjugend Gotha“ als gutes Beispiel dieser Strategie. Diese Gruppe besteht aus 3-4 Jugendlichen, die unter Anleitung des einstigen JA- und jetzigen GD-Aktivisten Leonardo Lekhi vor allem neonazistische „Anti-Antifa-Sticker“ verkleben und gelegentlichen Ausflügen ins Grüne unternehmen. Wir stellen sie in einem späteren Abschnitt noch genauer vor.
Vorstandsmitglieder der Thüringer „Generation Deutschland“ in neofaschistischen Netzwerken

Eric Engelhardt

Der in Sonneberg ansässige Eric Engelhardt ist seit Jahren in der JA aktiv und prägte deren Einlenken auf den neofaschistischen Kurs Björn Höckes. Als etwa der damalige JA-Landesvorstand Maximilian Maul den Geraer Rechtsextremen Eric Vogelgesang nicht in die JA aufnehmen wollte, setzte sich Eric Engelhardt dafür ein, dass Vogelgesang zumindest als Aktivist im Rahmen von JA-Ständen und -Aktionen teilnehmen durfte. Später selbst Landesvorstand, lud Eric Engelhardt im Winter 2024 Eric Vogelgesangs neonazistische Jugendgruppe „Gersche Jugend“ zu einem JA-Jugendabend nach Weida ein. Engelhardt bewarb die Ideologieschriften des Antaios-Verlags im Netz und begann, mit dem von Identitären betriebenen „Filmkunstkollektiv“ zusammenzuarbeiten. Beim Bundesparteitag in Hessen posierte er gemeinsam mit Jannis George von den Identitären in Baden-Württemberg und dem aus Wuppertal stammenden bekennenden Rassisten und Online-Hetzer Patrick Kolek alias „Wuppi“.

Bevor 2022 Engelhardt in den JA-Vorstand gewählt wurde, dominierten neoliberale Wirtschaftsideen die Thüringer JA. Engelhardts Vorgänger Maximilian Maul und Tom Ulms etwa zählten trotz deren Unterstützung für Höcke nicht zum „Flügel“, der stärker auf einen zugunsten nationalistischer Ideen regulierenden Staat setzt. Als Zeichen des Einschwenkens auf Höckes völkischen Wirtschaftskurs lud Engelhardt den aus der Chemnitzer Neonaziszene stammenden Antaios-Autor Benedikt Kaiser 2023 zur Jugendschulung nach Weimar ein. Hierzu reiste auch die damalige JA-Führung Brandenburgs an, die just auf der Linie Höckes und dessen neofaschistischen Nachwuchses war.

Engelhardt und Carolin Lichtenheld traten auch auf der JA-Kundgebung „Deutsche Jugend steht zusammen“ im Juni 2024 in Gera als RednerInnen auf. Hier kam das gesamte Milieu aus Reichsbürgern, Neonazi-Skinheads und Neonazi-Kampfsportlern aus Gera zusammen – ganz im Sinne der von den OrganisatorInnen verfolgten Strategie. Für den Beinamen „Höcke-Jugend“ hielt Eric Engelhardts Partnerin Candy Jacobs her, die im Rahmen eines JA-Treffens im Sommer 2024 dem „Compact“-Magazin ein Interview gab. Das rechte Medium veröffentlichte danach einen aktischen JA-Werbeclip mit Jacobs Konterfei und der Zeile „Wir sind die Höcke-Jugend“.
Carolin Lichtenheld
Carolin Lichtenheld kommt aus Zella-Mehlis und war von Beginn an mit dem Suhler Neonazi und früheren NPD-Aktivisten Patrick Fleischer im örtlichen AfD-Kreisverband und in der Parteijugend aktiv. Fleischer erschien auch zur Neugründung des Landesverbands am 17.1.2026 in Ilmenau. Über die Thüringer JA begann Carolin Lichtenheld bald auch, mit dem Neonazi-Burschenschafter Martin Schieck (Normannia zu Jena) überregional zu rechten Aufmärschen zu fahren. Schieck war seit 2016 für die Identitären aktiv und arbeitet seit 2019 als Filmer und Fotograf für die Thüringer AfD-Fraktion. Lichtenheld fand von Anfang an mehr Gefallen an den neofaschistischen Strömungen außerhalb der Partei und fuhr entsprechend zu Götz Kubitscheks Akademien nach Schnellroda, zu Rechtsrockkonzerten der JA Brandenburg oder zu Sommertreffen mit der Neonazi-Musikerin „Runa“ bei der JA Sachsen-Anhalt. Ihre Zugehörigkeit zu diesem Flügel der Rechten demonstrierte Lichtenheld auch in Form ihrer Kleidung, wenn sie etwa beim AfD-Wahlkampf in Sonneberg ein Shirt von Martin Sellners Marke „Phalanx“ trug.

Der 2. Prozess gegen Mitglieder der rechten Terrorgruppe „Knockout 51“ aus Eisenach förderte weitere Verbindungen von Lichtenheld ins militante Milieu hervor: Bei einer Hausdurchsuchung wurde bei Kevin Noeske, der nur ein paar Häuser weiter von Lichtenheld in der Erfurter Talstraße wohnte, ein Handy beschlagnahmt, auf dem Lichtenhelds Nummer eingespeichert war. Zwischen Plakaten mit der Aufschrift „Nazikiez“, einem T-Shirt mit „Judenjägermeister“ oder einer Sturmhaube mit Hakenkreuz wurde bei Noeske außerdem ein Karton mit rechten Stickern beschlagnahmt, der an Carolin Lichtenheld adressiert war.
Timm Westermann
Bevor Timm Westermann zum Jurastudium nach Jena zog, war er noch als engagierter Jugendlicher in Düsseldorf in Jugendprojekten aktiv, die seinem heutigen neofaschistischen Weltbild völlig zuwiderlaufen würden. In Jena trat er der Burschenschaft Germania bei und war seit 2022 mit deren Aktiven bei JA-Veranstaltungen und Aktionen der Identitären dabei. Vermutlich weil die Altherrenschaft der Germania nicht einhellig diesen neofaschistischen Kurs ihrer Jungburschen mittrugen, wechselte Westermann zur „Alten Burschenschaft auf dem Burgkeller in der DB“, die als einzige Jenaer Burschenschaft noch im völkischen Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ (DB) Mitglied ist. Diese Burschenschaft zeichnete sich in den vergangenen Jahren durch NS-Parolen in ihren sozialen Medien und die Einladung identitärer Vordenker wie Jonas Schick oder Benedikt Kaiser aus. Timm Westermann ist selbst in diesen Netzwerken aktiv und engagiert sich zugleich in der AfD, etwa als Ordner für Alice Weidels Auftritt am 29.4.2023 in Erfurt oder beim JA-Aufmarsch am 23.10.2023 in Erfurt. Westermann besuchte bereits mehrere Schnellroda-Akademien und fuhr am 20.7.2024 zum „Tag des Vorfelds“ nach Neumünster, wo etwa der Dortmunder Neonazi Martin Wegerich oder der „Ein Prozent“-Sprecher Philipp Stein ihre Medienprojekte vertraten.

Westermann war zuletzt zusammen mit seinen Burschenkameraden Ron Schade und Friedrich Hunger auf der rechten Buchmesse in Halle am 9.11.2025 aufgefallen. Westermanns Kameraden betreuten zusammen mit dem einstigen Führungskader der Identitären, Heinrich Mahling, den Stand des von Mahling geführten Antiquariats „Zeitenstrom“. Passenderweise hat der Verlag seinen offiziellen Sitz an der Adresse der Bundesorganisation der Identitären in Chemnitz und vertreibt reihenweise NS-Literatur.
Niklas Aust
Niklas Aust kommt ursprünglich aus Niedersachsen und war dort sowohl in der Jungen Alternative, als auch im Umfeld der „Heimat“-Jugendorganisation „Junge Nationalisten“ (JN) aktiv. Dies scheint ihn im Sommer 2025 zum neuen Büroleiter für Björn Höcke und zum Vorstandsmitglied der Thüringer AfD-Jugend qualifiziert zu haben. Aust wurde bei Höckes Büro-Neueröffnung in Greiz am 5.7.2025 der AnhängerInnenschaft vorgestellt.

Als ideologisch zuverlässiger Aktivist aus neofaschistischen Netzwerken ist Aust im Landtag neben Jirka Buder oder Martin Schieck nicht alleine. Bereits Austs Vorgänger Robert Teske, der inzwischen im Bundestag sitzt, kam aus Netzwerken der Bremer JA und Identitären in Höckes Erfurter Büro. Bei der Gründungsversammlung der GD Thüringen war er mit dem Jenaer MdL Denny Jankowski beim Rauchen zu sehen.

Aust war im Juli 2023 bei einer nicht-öffentlich organisierten Wanderung von Neonazis aus Bremen dabei. Schon hier kleidete Aust sich im völkisch-militärischen Dress der Neonazijugend JN. Federführend waren bei der Wanderung u.a. der einst in Delmenhorst als brutaler rechter Schläger aufgefallene Mario Müller, später Aushängeschild der Identitären, und der langjährige Bremer Neonazi-Netzwerker und Hooligan Henrik Ostendorf, Bruder des Rechtsrockmusikers Hannes Ostendorf („Kategorie C“).

Am 20.4.2024 beteiligte sich Niklas Aust an einer anlässlich von Hitlers Geburtstag organisierten Wanderung der JN am Steinhuder Meer in Niedersachsen. Hier liefen die Führungspersonen der JN, aber auch Anhänger der AfD-Jugend gemeinsam. Beworben wurde die Aktion als „Leistungsmarsch“. Erneut erschien Aust in militärisch anmutender Camouflage-Kleidung.

Die JN rahmten den „Leistungsmarsch“ zu Hitlers Ehren wie folgt: „Für uns junge Nationalisten ist es unausweichlich, unsere Mitglieder nicht nur geistig zu formen, sondern aus ihnen auch Kämpfer zu erziehen“. Niklas Aust ist laut AfD-Presseerklärungen von Dezember 2025 für den Aufbau einer Schulungsakademie für die Parteijugend zuständig. Mit seiner Mitgliedschaft im Landesvorstand der GD Thüringen dürfte der von Höcke angestrebte ideologische Durchgriff mit NS-Ideologie innerhalb der Parteijugend gesichert sein.
Regionale Schwerpunkte der Thüringer „Generation Deutschland“
Rechtsjugend Gotha: Identitäre und Landser
Um die Zukunft der Thüringer GD einschätzen zu können, lohnt sich ein genauerer Blick auf die „Rechtsjugend Gotha“, die vom neuen Bundesvorstand der GD, Alexander Claus, als Paradebeispiel für die Zukunft der Parteijugend in einem internen Vortrag angeführt wurde. Die Gruppe, insoweit sie überhaupt eine ist, entstand als Zwischenlösung infolge der Auflösung der JA. In erster Linie steht dahinter der ehemalige JA- und jetzt GD-Aktivist Leonardo Lekhi aus Gotha, der mehrere rechte Jugendliche um sich sammelte. Lekhi wurde im Wahlkampf 2024 für die AfD aktiv und war bereits im Sommer 2025 auf einer Kundgebung der Identitären in Chemnitz zu sehen. Hier stand er zusammen mit dem Anführer der Erfurter Identitären, Robert Brandt, welcher der militanten Naziszene angehört. Brandt war am 11.1.2016 am Angriff auf Läden und Personen in Leipzig-Connewitz dabei und stand später wegen brutaler Übergriffe in Erfurt vor Gericht. Er bekannte sich offen zum NS, wenn er etwa zum Rechtsrock in Themar 2017 in einem Shirt mit dem Aufdruck „Deine lokale Nazicrew“ erschien. Nachdem er zusammen mit Kevin Noeske aus Eisenach und weiteren rechten Erfurtern dem NS-Aktivismus das identitäre Gewand „Kontrakultur Erfurt“ gab, knüpfte er neue Verbindungen in Richtung AfD.

Der jugendliche Anhang von Leonardo Lekhi trat bereits vor der Auflösung der JA als „Patriotische Jugend Gotha“ auf Instagram auf. Ihre Privatprofile auf Instagram sind wahlweise um das Geburtsdatum Adolf Hitlers (_20041889), den Tag der Reichsgründung (_18011871) oder die Neonazi-Chiffre 1161 für „Anti-Antifa“ ergänzt. Die Inhalte werden hier zwischen Lekhis Privatprofil, den Profilen seiner teils nur 13/14-jährigen Kameraden und den Profilen der „Patriotischen Jugend Gotha“ bzw. mittlerweile der „Rechtsjugend Gotha“ ge-crossposted. Insofern ist bei dieser Kleingruppe weniger von einer festen Gruppenstruktur die Rede, als vielmehr von einem Namen, der ihrer beschränkten Social-Media-Gefolgschaft folgendes signalisieren sollte: Selbst wenn ihr auf den Profilen der JA jetzt nichts mehr seht, sind wir trotzdem noch da. Jason Schröder aus dieser Gruppe zählt inzwischen zum Kern der Thüringer GD und reist mit ihr überregional zu Veranstaltungen, während der 14-jährige Pablo Kühn nur gelegentlich außerhalb Gothas anzutreffen ist. Kühn verbindet, wie viele junge Fans von Björn Höcke, den klassischen Neonazismus mit Aktivismus für die AfD, wie sich an seinen öffentlich geposteten Videos in Shirts der verbotenen Neonazi-Band „Landser“ zeigt.

Gerade diese Mischung aus Lekhis Netzwerken zu Erfurter Neonazis, Identitären oder Neonazi-Jugendlichen wie Pablo Kühn ist die „Rechtsjugend Gotha“, die laut Alexander Claus beispielhaft für die Jugendorganisation steht. Ähnlich scheint es der AfD-Landtagsabgeordnete Marcel Kramer und die GD-Landesvorsitzende Carolin Lichtenheld zu sehen.

Generation Wartburgkreis: zwischen Höcke und „Heimat“

Erst seit vergangenem Jahr zeigt sich die AfD-Jugend auch im Wartburgkreis aktiver und deren Mitglieder tauchen überregional auf Veranstaltungen auf. Mit Noah Malsch ist der Wartburgkreis nun auch im Vorstand der GD Thüringen vertreten. Der Wartburgkreis war jahrelang die letzte Bastion der NPD, die sich 2023 in „Heimat“ umbenannte. Auch rechte Jugendliche aus Eisenach und Umland wandten sich ohne Umwege über die AfD direkt der Neonazipartei und deren Erlebniswelt mit Rechtsrock in der Parteizentrale „Flieder Volkshaus“ und deren Kampftruppe „Knockout 51“ zu. AfD und NPD machten hier schon länger gemeinsame Sache. Der zwischenzeitlich bei Machtkämpfen in die Schusslinie Höckes geratene AfD-MdB Klaus Stöber moblisierte gemeinsam mit „Knockout 51“ zu Montagsdemos in Eisenach. Auch der neue GD-Landesvorstand Noah Malsch aus Krauthausen im Wartburgkreis hat keine Berührungsängste mit den Neonazis. So teilte er auf seinem Instagram-Account u.a eine rassistische Rede von Patrick Wieschke („Heimat“, ehemals Thüringer Heimatschutz und NPD), der wegen seiner Unterstützung für die Terrorgruppe „Knockout 51“ vor Gericht steht.

Von der Winterakademie in Schnellroda am 23.1.2026 postete Malsch ein Selfie mit dem Aushängeschild der Identitären und Stichwortgeber der Forderung millionenfacher rassistischer Ausweisungen, Martin Sellner. Sellner zeigt dabei das weithin als Symbol für „White Power“ bekannte Handzeichen, das bereits der rassistische Massenmörder von Christchurch in Neuseeland präsentierte, der zuvor in persönlichem Kontakt mit Sellner gestanden hatte.

Noah Malsch ist im AfD-Kreisverband Wartburgkreis für Jugendarbeit zuständig. Dieses Amt teilt er sich mit Philipp Lorenz aus Merkers. Beide sitzen als Beisitzer im Kreisvorstand, Lorenz zudem auch im Ortsteilrat von Merkers. Philipp Lorenz steht Malsch in nichts nach, wenn es um Sympathien für die Neonaziszene geht. Vielmehr scheint ein Zusammengehen aus AfD/GD und der Neonazipartei „Heimat“ für ihn zum Programm zu gehören. So marschierte er am 1. Mai 2025 zusammen mit Adrian König von der AfD Wartburgkreis mit der ostdeutschen Naziszene durch Gera. Dabei trug Lorenz ein T-Shirt der Jungen Alternative Wartburgkreis. Lorenz und König reihten sich hinter dem Banner der „Heimat“ ein, das u.a. vom Eisenacher Parteikader Alexander Neidlein getragen wurde. Neben Lorenz lief die Rechtsrock-Musikerin Karin Mundt aus Mecklenburg-Vorpommern.

Die Sympathie für die Neonazipartei „Heimat“ ist unter einigen GD-Kadern offenkundig. Auch Adrian König bekundet in den sozialen Medien seine Sympathie für Beiträge der „Heimat“ Sömmerda. Im dortigen Landkreis ist auch der neue Beisitzer des Landesvorstands Jonas (Nachname unbekannt) ansässig, der sich zwar für die AfD engagiert und bieder im Anzug zeigt, aber in sozialen Medien auch Beiträge des militanten Neonazikaders Thorsten Heise aus dem Eichsfeld Likes erteilt und dem militanten Eisenacher „Knockout 51“-Kader Eric Krempler folgt.
Erfurt: Kollaboration von AfD-Jugend und militanten Neonazis von „Knockout 51“
Alexander Töpfer aus Erfurt ist seit Langem der wichtigste Aktivist des AfD-Nachwuchses in der Landeshauptstadt. Er nimmt seit Jahren an den dortigen Montagsdemos des Verschwörungs- und Reichsbürgermilieus teil, gelegentlich auch als Redner. Er wurde Anfang 2022 in den JA-Landesvorstand gewählt. Töpfer beteiligte sich auch am Großaufmarsch der Naziszene in Gera am 3.10.2022, wo neben dem bekannten Kader Christian Klar, dem Reichsbürger Frank Haußner und Björn Höcke auch der Rechtsrockmusiker Frank Rennicke auf der Bühne stand. Töpfer bedrohte an diesem Tag eine Journalistin mit einer Anspielung auf den von einem Neonazi erschossenen CDU-Politiker Walter Lübcke.

Wie im 2. Prozess gegen die Eisenacher Neonazi-Terrorgruppe „Knockout 51“ herauskam, wohnte Alexander Töpfer nicht nur im selben Haus wie der militante Neonazi Kevin Noeske, sondern teilte sich mit diesem auch einen gemeinsamen Lager- und Trainingsraum im Keller. Dort lagerten sowohl Utensilien der JA, als auch von „Kontrakultur Erfurt“. Kevin Noeske war lange einer der Trainer beim Kampfsporttraining seiner Gruppe „Knockout 51“ und er trat selber als Kämpfer beim Neonazi-Wettkampf „Kampf der Nibelungen“ an. Nach seinem Umzug nach Erfurt gründete er „Kontrakultur Erfurt“ mit und versuchte fortan, Anschluss an die „Identitäre Bewegung“ und die JA zu bekommen. Diesen fand er offenbar u.a. in Alexander Töpfer. Töpfer war in dieser Zeit Vorstand der JA Thüringen, gemeinsam mit Carolin Lichtenheld, die ebenso intern mit Kevin Noeske zusammengearbeitet zu haben scheint. Töpfer und Lichtenheld fuhren zusammen auch zu Netzwerktreffen mit den Identitären nach Schnellroda, etwa im Februar 2024 zur „Winterakademie“.

Töpfer wurde von der AfD zur Kommunalwahl 2024 aufgestellt und in den Stadtrat gewählt. Das tat seiner Begeisterung für die außerparlamentarische neofaschistische Bewegung keinen Abbruch. Ein Jahr später warb er auf Instagram für die Neonazigruppe seines zu jener Zeit in Untersuchungshaft sitzenden Neonazi-Nachbarn Kevin Noeske und bekannte sich mit dem „White Power“-Zeichen zu dessen Zielen.

Einige JA-AktivistInnen aus Erfurt kehrten den Aktionen der Jugend zwischenzeitlich den Rücken, während z.B Sophie Neubauer hinzustieß. Laut Eigenangaben ist Neubauer Erzieherin. Sie fuhr mit der Thüringer AfD-Jugend zum Gründungskongress der GD nach Gießen und nahm auch an der Gründung der GD Thüringen in Ilmenau am 17.1.2026 teil. Auch auf Social Media bekennt die Erfurterin Gesicht für das rassistische Vertreibungskonzept der „Remigration“.

Am Wochenende darauf fuhr Neubauer auch mit einer ganzen Gruppe aus dem Führungskreis der GD Thüringen nach Schnellroda, wo u.a. Martin Sellner auftrat. Zuletzt bewarb Alexander Töpfer auch die Veranstaltung mit Martin Sellner am 26.1.2026 im Erfurter Braukeller. Töpfers hinzugefügtes Bekenntnis „Wir distanzieren uns nicht“ liegt dabei genau auf der Linie des neuen Landesvorstands der GD und jener von Björn Höcke, dessen Landes- und Bundestagskollegen Martin Sellner am selben Tag demonstrativ im Landtag empfingen.

Generation Sonneberg

Neben Gotha, Erfurt und dem Wartburgkreis kommen die meisten aktiven Mitglieder der GD Thüringen aus dem Raum Sonneberg. Verantwortlich dafür werden Eric Engelhardt und Candy Jacobs sein, die ihren FreundInnenkreis mit zur JA bzw. GD geholt haben. Eines der Mitglieder aus Sonneberg ist Jakob Schilling. Dieser liket u.a. Beiträge von Neonazi-Accounts wie dem mittlerweile gesperrten @brauneradler, dem auch der Gothaer GD-Aktivist Leonardo Lekhi folgt. In dem von Schilling gelikten Post steht der „Brauen Adler“ provokant vor der Synagoge in Halle und verhöhnt damit die Opfer des antisemitschen Anschlags am 9.10.2019 in Halle. Die offen antisemitische Ausrichtung des Profils zeigt sich auch in weiteren Posts.

Die AfD Sonneberg genießt aufgrund ihres Landrats Robert Sesselmann besondere Relevanz im Landesverband. Sesselmann ist in einer Beziehung mit der Neonazi-Aktivistin Angela Schaller, die mittlerweile fester Teil bei Aktivitäten des Kreisverbands ist. Schaller hilft Sesselmann außerdem bei dessen regelmäßigen Videoansprachen als Landrat, die er auf Facebook veröffentlicht und gleichzeitig Presseanfragen, vor allem kritische, boykottiert. Das Landratsamt im Rücken zu haben, bedeutet natürlich auch für die AfD-Jugend ein besonderes Selbstbewusstsein. Auch Björn Höckes ehemaliger Büroleiter Robert Teske eröffnete ein Wahlkreisbüro in Sonneberg, wobei das eher symbolisch gemeint sein dürfte. Der Bremer Teske interessiert sich nicht für Sonneberg und hat dort als Bundestagsabgeordneter keinerlei Anbindung. Trotzdem dürfte das Büro auch als Stützpunkt für die AfD-Jugend gedacht sein.
Ausblick
Das Resümee zu AfD-Jugendorganisation in den letzten Jahre in Thüringen fällt durchwachsen aus: Zunächst halten wir fest, dass die Organisation keinesfalls kontinuierlich wächst. Vielmehr gibt es einen größeren Anteil an Mitgliedern, die nur 1-2 Jahre in der JA aktiv bleiben und sich anderen extrem rechten Spektren zuwenden oder sich danach politisch zurückziehen. Das liegt zum einen am öffentlichen Druck, auch durch antifaschistische Recherchen wie diese hier. Zum anderen liegt das an der Strukturschwäche der AfD-Jugend, die sich durch mehrere Ebenen zieht. Rein praktisch ist die AfD-Jugend in den meisten Thüringer Landkreisen unsichtbar und nicht ansprechbar. Manche AktivistInnen reisen zu „Stammtischen“ oder „Schulungen“ mit den immer selben Inhalten und Frontalvorträgen mehrere Stunden, bevor sie langfristig wieder fernbleiben. Ost- und Nordthüringen sind strukturelles Brachland der Organisation. Auch die Ebene der Integration ist ein anhaltendes Hindernis in der JA. Es gibt einen kleinen Kern an bundesweit vernetzten WortführerInnen, die sich im Vorstand wiederfinden. Diese sitzen inzwischen in Kreistagen und treffen sich an den Wochenenden mit FunktionärInnen oder neofaschistischen Kadern außerparlamentarischer Gruppen. Die jugendliche Basis wird nur für Gruppenfotos und Parteipropaganda gebraucht, nicht aber real in die Organisation eingebunden oder gar angehört. Die SprecherInnen der Thüringer JA bzw. nun GD sind darüber hinaus rhetorisch äußerst schwach. Carolin Lichtenheld und Eric Engelhardt sind alles andere als charismatisch, womit sich auch ihre unterwürfigen Auftritte im Schatten Björn Höckes erklären lassen.
Die Eingliederung der JA als GD in die Partei stellt weder eine Bedrohung für die AfD noch für die Radikalität der Jugendorganisation dar, da Höckes politischer Kurs ohnehin nicht rechts zu überholen ist. Weder wird die AfD radikaler und eventuell weniger wählbar für Konservative, noch wird die Jugendorganisation gemäßigter. Sehr wohl wird jedoch den rechten Jugendlichen vor Augen geführt, wie wenig sie am Ende wirklich zählen. Eric Engelhardt oder Dante Riedel hielten auf dem Bundesparteitag in Riesa 2025 enttäuschte Reden, der neue Hildburghausener GD-Landesvorstand Kevin Flurschütz schrieb von „Verrat“ durch die eigene Parteiführung. Wer in die GD eintritt, weiß bestens, dass auch ein Höcke die Jugend fallenlassen wird, wenn es seinen Machtberechnungen zupass ist.
Im Einklang mit Höcke geht jedoch von der AfD-Jugend eine gefährliche Strahlkraft in Richtung gewaltorientierter rechter Jugend aus, wie sie bereits zuvor von Höcke auf den Mörder des CDU-Politikers Walter Lübcke ausging: Höcke beschwört einen Endzeitkampf gegen äußere und innere Feinde, relativiert jedes Verfahren gegen RechtsterroristInnen als staatliche Schikane oder Verschwörung und stellt sich regelmäßig offensiv hinter militante und auf Rassenkriege abzielende Gruppen wie die Gruppe um den Reichsbürger Prinz Heinrich Reuß XIII. oder die „Sächsischen Separatisten“, die zur Hälfte aus JA-/AfD-Kadern bestanden. Die Höcke-Jugend sorgt für rechte und neonazistische Jugendliche zunächst für ein bestärkendes Umfeld, feuert apokalyptische, nationalistische und rassistische Weltbilder an und signalisiert auch militanten Neonazis: Ihr gehört mit dazu, ihr denkt das Richtige. Wenn dann, wie im ostthüringischen Schmölln, junge Neonazis versuchen, ein bewohntes Geflüchtetenheim im Namen „Letzten Verteidigungswelle“ (LVW) in Brand zu setzen, ist die AfD-Jugend nicht weit. Der Jungneonazi Luca Kinski aus Gera etwa besuchte sowohl einen JA-Stammtisch in Weida zusammen mit der Gruppe „Gersche Jugend“. Zur selben Zeit pflegte er gegenseitige Besuche mit einem der LVW-Täter aus Schmölln, Claudio Spano.
Die AfD und ihre Jugend bestellen weiterhin das ideologische Feld von rechtem Terror, der sich wie in Sachsen bereits aus den eigenen Reihen entfachte, andernorts aber in diesem Umfeld gedeiht. Diese gefährliche Wirkung wird vor allem in Thüringen weiterhin zunehmen.