Die identitäre Höcke-Jugend: Gründung der Thüringer ‚Generation Deutschland‘ institutionalisiert neofaschistische Netzwerke

Zu sehen ist ein Screenshot von einem Aufmarsch von Menschen mit "Junge Alternative"-Fahnen und Deutschlandfahnen. Im vordergrund sind Timm Westermann, Friedrich Hunger, Robin Meyer mit Sonnenbrille und Schlauchschal und Max Sieler zu sehen.
„Remigration“-Aufmarsch der JA Thüringen in Erfurt am 28.10.2023: der Burgkeller-Burschenschafter Timm Westermann (1.v.l.), neuerdings Landesvorstand der Thüringer „Generation Deutschland“, der Burgkeller-Burschenschafter Friedrich Hunger (2. Reihe m. dunklem Bart), Seite an Seite mit den rechten Schlägern Robin Meyer (Sonnenbrille) und Max Sieler (2.v.r.) aus Weimar (Bild: Youtube)

Diese Ankündigung dürfte niemanden überrascht haben: Thüringens ehemalige „Junge Alternative“ (JA) hat sich mit Deckungsgleichheit ihres Führungspersonals Mitte Januar in Ilmenau im Hotel Tanne, Sitz der schlagenden Burschenschaft „Vandalia“, neu gegründet. Björn Höcke erschien persönlich, um die Richtung vorzugeben. Die formelle Eingliederung der Jugendorganisation in die Partei wäre in Thüringen kaum nötig gewesen: Die sich rebellisch gebende Jugend ist seit jeher dem Landesparteichef völlig ergeben und zeichnete sich zu keinem Zeitpunkt durch eigene Standpunkte und Kritik an der Parteilinie aus. Die AktivistInnen der ehemaligen JA, die nun als „Generation Deutschland“ weitermachen, sind seit Jahren das Bindeglied zwischen Partei und junger Neonaziszene sowie der „Identitären Bewegung“. Für diese Linie steht auch der neugewählte Vorstand der Thüringer „Generation Deutschland“. Dem neuen Vorstand der Parteijugend gehört als Beisitzer auch Höckes neuer Büroleiter Niklas Aust an, der aus der niedersächsischen Neonaziszene kommt. Der selbstgewählte Spitzname „Höcke-Jugend“ mit Anspielung auf die historische HJ („Hitlerjugend“) passt bestens. Im Folgenden präsentieren wir einen Überblick über das Führungspersonal und die regionalen Schwerpunkte der neu aufgestellten Jugendorganisation.

Identitäre und AfD-Jugend: NeofaschistInnen in wechselnden Gewändern

Bereits der Name der neuen AfD-Jugendorganisation, „Generation Deutschland“ (GD) ist eine offensichtliche Anlehnung an den Ursprung der neofaschistischen „Identitären Bewegung“ (IB), die als „Génération Identitaire“ in Frankreich entstand. Die Führungsriege der aufgelösten JA-Landesverbände und des Bundesverbands ist fast durchgehend mit der IB vernetzt, teilweise kann man auch von personellen Überschneidungen sprechen. Alleine der Bundesvorsitzende der neuen GD, Jean-Pascal Hohm, stammt aus dem von Neonazis dominierten Cottbusser Fußballmilieu und war für die nationalistische Plattform „Ein Prozent“ aktiv. Auch Anna Leisten aus Brandenburg, eine der zentralen Stimmen der aufgelösten JA, verzahnte die AfD-Jugend mit den Identitären. So erschien sie persönlich zur Eröffnung der neuen Bundeszentrale der Identitären in Chemnitz. Leisten ist inzwischen mit dem Thüringer AfD-Bundestagsmitglied Torben Braga liiert und hat sich politisch vorerst zurückgezogen. Ihr Versuch, die Parteijugend außerparlamentarisch aufzustellen, wird jedoch fortgeführt. Denn ohne die vom Brandenburger JA-Landesverband geprägte plumpe rassistische Hetze „Wir schieben sie alle ab“ oder Auftritte von Rechtsrockern bei Partys der Parteijugend fehlt der Jugendorganisation eine auf Provokation basierende Attraktivität. In Landschaften, wo die Mehrheitsmeinung ohnehin von Autoritarismus, Nationalismus und Rassismus dominiert ist, braucht eine rechte Jugendorganisation Elemente der selbst im rechten Mainstream nicht immer mehrheitsfähigen Neonaziszene, um interessant zu bleiben.

Die Thüringer Führungskader der einstigen JA und neuen GD zählen genauso zu dieser Linie der alten JA, die auch von Thüringens Parteichef Björn Höcke so vorgegeben wird. Das Motto dieser Leute: Wir distanzieren uns von niemandem und die Partei kann nur durch eine Zusammenarbeit mit den als „Vorfeld“ bezeichneten außerparlamentarischen Bewegungen aus neofaschistischer Jugend, Neonazigruppen, ReichsbürgerInnen, dem völkischen und dem verschwörungsideologischen Milieu Erfolg haben. Entsprechend reist das Thüringer JA-Führungspersonal seit Jahren regelmäßig zu den Ideologieschulungen nach Schnellroda (ehemaliges „Institut für Staatspolitik“) und multipliziert die dort vorgegebenen rassistischen und nationalistischen Parolen auf ihren Aktionen und in digitalen Präsenzen. Erst am 23.1.2026 war eine Abordnung des Thüringer GD-Vorstands erneut bei einer „Winterakademie“ mit Martin Sellner in Schnellroda. Um die zahlreichen Überschneidungen zwischen der außerparlamentarischen, teils militanten Rechten und der alten wie neuen AfD-Parteijugend zu illustrieren, stellen wir im Folgenden zentrale Thüringer Mitglieder der GD vor.

Alexander Claus – Thüringer Vertreter im Bundesvorstand

Als Alter Herr der rechten Jenaer „Urburschenschaft“ Germania zählt Alexander Claus zu den dienstältesten AktivistInnen der Thüringer AfD-Jugend, der über die Jahre zahlreiche neue Mitglieder mitbrachte und Ämter bekleidete. Seine Burschenschaft war lange ein Mobilisierungsapparat für die JA und für die IB. Claus selbst nahm mit seinen Burschenkameraden, u.a. dem JA-Aktivisten Benedikt Kern-Wagner, am 22.8.2020 an einem nichtöffentlichen Treffen neofaschistischer Burschenschaften in Jena-Maua teil, wo „Pro-Patria-Mensuren“ abgehalten wurden – die illegale Form burschenschaftlicher Fechtduelle ohne ausreichenden Kopfschutz. Dieses Treffen wurde von der Neonazi-Burschenschaft „Normannia“ organisiert, die aus dem „Thüringer Heimatschutz“ hervorging und bis heute zur Unterstützerszene des NSU-Mordhelfers Ralf Wohlleben zählt.

Das Bild ist in zwei Fotos aufgeteilt. Links sind 5 Personen zu sehen, die in eine Gebäude reinlaufen und Fechtbretter tragen. Drei davon tragen weiße Mützen von der Jenaer Burschenschaft Germania, darunter Alexander Claus. Rechts davon ist ein Fotoaschnitt auf dem Alexander Claus nochmal mit weißer Germania-Mütze zu sehen ist, wie er mit einem Brett vor dem Haus steht
Links (v.l.): Konstantin Golz, Thorben Schade, Philipp Kirsten, Benedikt Kern-Wagner und Alexander Claus am 22.8.2020 in Maua; rechts nochmal Alexander Claus, der zum Mensurtag der Neonazi-Burschenschaft „Normannia“ Fechtutensielien mitbrachte (Foto: Rechercheportal Jena-SHK)

Alexander Claus ist beim Gründungskongress der Bundesorganisation der GD in Gießen in den Bundesvorstand gewählt worden. Als Bundesvorstand unterstützte er am vergangenen Samstag die Gründung des Thüringer Landesverbands. Claus ist mittlerweile Stadtratsmitglied in Erfurt und kandidierte erfolglos gegen Bodo Ramelow für den Bundestag. Zudem sitzt er im Landesvorstand der Thüringer AfD. Alexander Claus personifiziert das Bestreben des AfD-Landesverbands, die Parteijugend noch stärker zu kontrollieren. Während er als Mitarbeiter der Landtagsfraktion bereits vor der Neugründung zum Parteiapparat zählte, baute der aktivistische JA-Führungskreis um Carolin Lichtenheld ihre bundesweiten Netzwerke in Richtung Schnellroda und Identitäre Bewegung aus. Doch auch Claus besuchte die sogenannte Winterakademie in Schnellroda im Februar 2024. Claus befürwortete die Auflösung der JA – im Gegensatz zu Carolin Lichtenheld und Eric Engelhardt. Nach diesem letztlich auch von Höcke mitgetragenen Durchgriff gegen die parteiungebundene Parteijugend trat Claus als neuer Sprecher auf Veranstaltungen im Vorfeld der Neugründung auf. In dieser Rolle warb er, Recherchen von RBB Kontraste zufolge, intern trotz Parteidisziplin für eine Kontinuität aktivistischer Aktionen wobei ein Auftreten als Parteijugend vermieden werden solle. Passend dazu erklärte Claus die „Rechtsjugend Gotha“ als gutes Beispiel dieser Strategie. Diese Gruppe besteht aus 3-4 Jugendlichen, die unter Anleitung des einstigen JA- und jetzigen GD-Aktivisten Leonardo Lekhi vor allem neonazistische „Anti-Antifa-Sticker“ verkleben und gelegentlichen Ausflügen ins Grüne unternehmen. Wir stellen sie in einem späteren Abschnitt noch genauer vor.

Vorstandsmitglieder der Thüringer „Generation Deutschland“ in neofaschistischen Netzwerken

Gruppenfoto vom neugewählten Thüringer Landesvorstand der "Generation Deutschland". Carolin Lichtenheld steht in der mitte mit rosa Hose und rosa Blazer und sticht damit heraus. Außer ihr stehen noch 10 Männer auf dem Bild mit blauen, grauen und schwarzen Anzügen und Hemden.
Der neu gewählte Thüringer GD-Vorstand am 17.1.2026 in Ilmenau (v.l.n.r.): Noah Malsch, Timm Westermann, Paul Fuhrmann, Marcel Drößler, Eric Engelhardt, Jonas, Carolin Lichtenheld, Kevin Flurschütz, Maximilian Fischer, Niklas Aust und Bundesvorstand Alexander Claus

Eric Engelhardt

Schreenshot Eric Engelhardt Tiktok-Account. Darauf ist Engelhardt in weißen Rollkragenpulli zu sehen und die Schrift: "Die ostdeutsche Jugend trägt Scheitel" sowie der Satzanfang "Die ostdeutsche"...
Eric Engelhardt im April 2024 auf Tiktok

Der in Sonneberg ansässige Eric Engelhardt ist seit Jahren in der JA aktiv und prägte deren Einlenken auf den neofaschistischen Kurs Björn Höckes. Als etwa der damalige JA-Landesvorstand Maximilian Maul den Geraer Rechtsextremen Eric Vogelgesang nicht in die JA aufnehmen wollte, setzte sich Eric Engelhardt dafür ein, dass Vogelgesang zumindest als Aktivist im Rahmen von JA-Ständen und -Aktionen teilnehmen durfte. Später selbst Landesvorstand, lud Eric Engelhardt im Winter 2024 Eric Vogelgesangs neonazistische Jugendgruppe „Gersche Jugend“ zu einem JA-Jugendabend nach Weida ein. Engelhardt bewarb die Ideologieschriften des Antaios-Verlags im Netz und begann, mit dem von Identitären betriebenen „Filmkunstkollektiv“ zusammenzuarbeiten. Beim Bundesparteitag in Hessen posierte er gemeinsam mit Jannis George von den Identitären in Baden-Württemberg und dem aus Wuppertal stammenden bekennenden Rassisten und Online-Hetzer Patrick Kolek alias „Wuppi“.

Eric Engelhardt posiert hinter einer in mehreren Farbschattierungen gehaltenen Deutschlandflagge. Neben ihm sind Jannis George und Patrick Kolek zu sehen.
(v.l.) Eric Engelhardt, Jannis George und Patrick „Wuppi“ Kolek auf dem AfD-Bundesparteitag in Essen 2025

Bevor 2022 Engelhardt in den JA-Vorstand gewählt wurde, dominierten neoliberale Wirtschaftsideen die Thüringer JA. Engelhardts Vorgänger Maximilian Maul und Tom Ulms etwa zählten trotz deren Unterstützung für Höcke nicht zum „Flügel“, der stärker auf einen zugunsten nationalistischer Ideen regulierenden Staat setzt. Als Zeichen des Einschwenkens auf Höckes völkischen Wirtschaftskurs lud Engelhardt den aus der Chemnitzer Neonaziszene stammenden Antaios-Autor Benedikt Kaiser 2023 zur Jugendschulung nach Weimar ein. Hierzu reiste auch die damalige JA-Führung Brandenburgs an, die just auf der Linie Höckes und dessen neofaschistischen Nachwuchses war.

Screenhot von einem Beitrag der Jungen Alternative Brandenburg. Darauf sind 11 Personen, die in die im Halbkreis in die Kamera schauen. Benedikt Kaier steht in der Bildmitte.
Eric Engelhardt (3.v.l.) mit Benedikt Kaiser (Mitte), Dante Riedel (1.v.l.) und Carolin Lichtenheld (2.v.r.) in Weimar am 5.5.2023

Engelhardt und Carolin Lichtenheld traten auch auf der JA-Kundgebung „Deutsche Jugend steht zusammen“ im Juni 2024 in Gera als RednerInnen auf. Hier kam das gesamte Milieu aus Reichsbürgern, Neonazi-Skinheads und Neonazi-Kampfsportlern aus Gera zusammen – ganz im Sinne der von den OrganisatorInnen verfolgten Strategie. Für den Beinamen „Höcke-Jugend“ hielt Eric Engelhardts Partnerin Candy Jacobs her, die im Rahmen eines JA-Treffens im Sommer 2024 dem „Compact“-Magazin ein Interview gab. Das rechte Medium veröffentlichte danach einen aktischen JA-Werbeclip mit Jacobs Konterfei und der Zeile „Wir sind die Höcke-Jugend“.

Carolin Lichtenheld

Carolin Lichtenheld kommt aus Zella-Mehlis und war von Beginn an mit dem Suhler Neonazi und früheren NPD-Aktivisten Patrick Fleischer im örtlichen AfD-Kreisverband und in der Parteijugend aktiv. Fleischer erschien auch zur Neugründung des Landesverbands am 17.1.2026 in Ilmenau. Über die Thüringer JA begann Carolin Lichtenheld bald auch, mit dem Neonazi-Burschenschafter Martin Schieck (Normannia zu Jena) überregional zu rechten Aufmärschen zu fahren. Schieck war seit 2016 für die Identitären aktiv und arbeitet seit 2019 als Filmer und Fotograf für die Thüringer AfD-Fraktion. Lichtenheld fand von Anfang an mehr Gefallen an den neofaschistischen Strömungen außerhalb der Partei und fuhr entsprechend zu Götz Kubitscheks Akademien nach Schnellroda, zu Rechtsrockkonzerten der JA Brandenburg oder zu Sommertreffen mit der Neonazi-Musikerin „Runa“ bei der JA Sachsen-Anhalt. Ihre Zugehörigkeit zu diesem Flügel der Rechten demonstrierte Lichtenheld auch in Form ihrer Kleidung, wenn sie etwa beim AfD-Wahlkampf in Sonneberg ein Shirt von Martin Sellners Marke „Phalanx“ trug.

An der Empore am Erfurt Stadtpark stehen mehrere junge Leute hinter einem entrollten Banner mit der Aufschrift „Alle Räder stehen still, wenn unser Volk das will!“. Die Person ganz links hält eine Deutschlandfahne
Alexander Töpfer (2.v.l.), Merlin Ulbrich von „Kontrakultur Erfurt“ (3.v.l.), Maya Semrau (in weiß), Carolin Lichtenheld (1.v.r.) am 8.1.2024 hinter dem Erfurter Hauptbahnhof

Der 2. Prozess gegen Mitglieder der rechten Terrorgruppe „Knockout 51“ aus Eisenach förderte weitere Verbindungen von Lichtenheld ins militante Milieu hervor: Bei einer Hausdurchsuchung wurde bei Kevin Noeske, der nur ein paar Häuser weiter von Lichtenheld in der Erfurter Talstraße wohnte, ein Handy beschlagnahmt, auf dem Lichtenhelds Nummer eingespeichert war. Zwischen Plakaten mit der Aufschrift „Nazikiez“, einem T-Shirt mit „Judenjägermeister“ oder einer Sturmhaube mit Hakenkreuz wurde bei Noeske außerdem ein Karton mit rechten Stickern beschlagnahmt, der an Carolin Lichtenheld adressiert war.

Timm Westermann

Bevor Timm Westermann zum Jurastudium nach Jena zog, war er noch als engagierter Jugendlicher in Düsseldorf in Jugendprojekten aktiv, die seinem heutigen neofaschistischen Weltbild völlig zuwiderlaufen würden. In Jena trat er der Burschenschaft Germania bei und war seit 2022 mit deren Aktiven bei JA-Veranstaltungen und Aktionen der Identitären dabei. Vermutlich weil die Altherrenschaft der Germania nicht einhellig diesen neofaschistischen Kurs ihrer Jungburschen mittrugen, wechselte Westermann zur „Alten Burschenschaft auf dem Burgkeller in der DB“, die als einzige Jenaer Burschenschaft noch im völkischen Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ (DB) Mitglied ist. Diese Burschenschaft zeichnete sich in den vergangenen Jahren durch NS-Parolen in ihren sozialen Medien und die Einladung identitärer Vordenker wie Jonas Schick oder Benedikt Kaiser aus. Timm Westermann ist selbst in diesen Netzwerken aktiv und engagiert sich zugleich in der AfD, etwa als Ordner für Alice Weidels Auftritt am 29.4.2023 in Erfurt oder beim JA-Aufmarsch am 23.10.2023 in Erfurt. Westermann besuchte bereits mehrere Schnellroda-Akademien und fuhr am 20.7.2024 zum „Tag des Vorfelds“ nach Neumünster, wo etwa der Dortmunder Neonazi Martin Wegerich oder der „Ein Prozent“-Sprecher Philipp Stein ihre Medienprojekte vertraten.

Hintereingang eines Klinkerbaus, aus dem Timm Westermann mit hellblauem Hemd herauskommt
Timm Westermann beim „Tag des Vorfelds“ in Neumünster am 20.7.2024 (Foto: Pixelarchiv)

Westermann war zuletzt zusammen mit seinen Burschenkameraden Ron Schade und Friedrich Hunger auf der rechten Buchmesse in Halle am 9.11.2025 aufgefallen. Westermanns Kameraden betreuten zusammen mit dem einstigen Führungskader der Identitären, Heinrich Mahling, den Stand des von Mahling geführten Antiquariats „Zeitenstrom“. Passenderweise hat der Verlag seinen offiziellen Sitz an der Adresse der Bundesorganisation der Identitären in Chemnitz und vertreibt reihenweise NS-Literatur.

Niklas Aust

Niklas Aust kommt ursprünglich aus Niedersachsen und war dort sowohl in der Jungen Alternative, als auch im Umfeld der „Heimat“-Jugendorganisation „Junge Nationalisten“ (JN) aktiv. Dies scheint ihn im Sommer 2025 zum neuen Büroleiter für Björn Höcke und zum Vorstandsmitglied der Thüringer AfD-Jugend qualifiziert zu haben. Aust wurde bei Höckes Büro-Neueröffnung in Greiz am 5.7.2025 der AnhängerInnenschaft vorgestellt.

zwei Bilder nebeneinander: Links sieht man den weißhaarigen- und -bärtigen Uwe Staps, mittig Björn Höcke und rechts Niklas Aust im Anzug im neuen AfD-Büro in Greiz. Rechts sieht man Höcke die Arme zeigend auf Aust gerichtet.
Greiz, 5.7.2025: (links:) Uwe Staps, Björn Höcke und Niklas Aust; (rechts:) Höcke stellt seinen neuen Büroleiter Aust vor

Als ideologisch zuverlässiger Aktivist aus neofaschistischen Netzwerken ist Aust im Landtag neben Jirka Buder oder Martin Schieck nicht alleine. Bereits Austs Vorgänger Robert Teske, der inzwischen im Bundestag sitzt, kam aus Netzwerken der Bremer JA und Identitären in Höckes Erfurter Büro. Bei der Gründungsversammlung der GD Thüringen war er mit dem Jenaer MdL Denny Jankowski beim Rauchen zu sehen.

Foto von Mitgliedern der AfD und "Generation Deutschland" vor dem Hotel Tanne in Ilmenau. Unter anderem Niklas Aust und Denny Jankowski rauchen rechts im Bild.
Niklas Aust (2.v.r.) mit AfD-MdL Denny Jankowski (1.v.r.) in Ilmenau am 17.1.2026 (Foto: Pixelarchiv)

Aust war im Juli 2023 bei einer nicht-öffentlich organisierten Wanderung von Neonazis aus Bremen dabei. Schon hier kleidete Aust sich im völkisch-militärischen Dress der Neonazijugend JN. Federführend waren bei der Wanderung u.a. der einst in Delmenhorst als brutaler rechter Schläger aufgefallene Mario Müller, später Aushängeschild der Identitären, und der langjährige Bremer Neonazi-Netzwerker und Hooligan Henrik Ostendorf, Bruder des Rechtsrockmusikers Hannes Ostendorf („Kategorie C“).

Fünf junge Männer sitzen auf der Wiese. Die meisten tragen dunkelgrüne Tarnkleidung und Mützen.
Niklas Aust im am 15.7.2023 im Bremer Umland bei einer Wanderung von Neonazis und Völkischen (Foto: Recherche Nord)

Am 20.4.2024 beteiligte sich Niklas Aust an einer anlässlich von Hitlers Geburtstag organisierten Wanderung der JN am Steinhuder Meer in Niedersachsen. Hier liefen die Führungspersonen der JN, aber auch Anhänger der AfD-Jugend gemeinsam. Beworben wurde die Aktion als „Leistungsmarsch“. Erneut erschien Aust in militärisch anmutender Camouflage-Kleidung.

Drei junge Männer wandern nebeneinander durch einen Wald. Mittig sieht man Niklas Aust in dunkelgrüner Tarnkleidung, mit Camouflagerucksack und -mütze lachend.
Niklas Aust (Mitte) beim JN-„Leistungsmarsch“ zu Hitlers Geburtstag am 20.4.2024 am Steinhuder Meer (Foto: Recherche Nord)

Die JN rahmten den „Leistungsmarsch“ zu Hitlers Ehren wie folgt: „Für uns junge Nationalisten ist es unausweichlich, unsere Mitglieder nicht nur geistig zu formen, sondern aus ihnen auch Kämpfer zu erziehen“. Niklas Aust ist laut AfD-Presseerklärungen von Dezember 2025 für den Aufbau einer Schulungsakademie für die Parteijugend zuständig. Mit seiner Mitgliedschaft im Landesvorstand der GD Thüringen dürfte der von Höcke angestrebte ideologische Durchgriff mit NS-Ideologie innerhalb der Parteijugend gesichert sein.

Regionale Schwerpunkte der Thüringer „Generation Deutschland“

Rechtsjugend Gotha: Identitäre und Landser

Um die Zukunft der Thüringer GD einschätzen zu können, lohnt sich ein genauerer Blick auf die „Rechtsjugend Gotha“, die vom neuen Bundesvorstand der GD, Alexander Claus, als Paradebeispiel für die Zukunft der Parteijugend in einem internen Vortrag angeführt wurde. Die Gruppe, insoweit sie überhaupt eine ist, entstand als Zwischenlösung infolge der Auflösung der JA. In erster Linie steht dahinter der ehemalige JA- und jetzt GD-Aktivist Leonardo Lekhi aus Gotha, der mehrere rechte Jugendliche um sich sammelte. Lekhi wurde im Wahlkampf 2024 für die AfD aktiv und war bereits im Sommer 2025 auf einer Kundgebung der Identitären in Chemnitz zu sehen. Hier stand er zusammen mit dem Anführer der Erfurter Identitären, Robert Brandt, welcher der militanten Naziszene angehört. Brandt war am 11.1.2016 am Angriff auf Läden und Personen in Leipzig-Connewitz dabei und stand später wegen brutaler Übergriffe in Erfurt vor Gericht. Er bekannte sich offen zum NS, wenn er etwa zum Rechtsrock in Themar 2017 in einem Shirt mit dem Aufdruck „Deine lokale Nazicrew“ erschien. Nachdem er zusammen mit Kevin Noeske aus Eisenach und weiteren rechten Erfurtern dem NS-Aktivismus das identitäre Gewand „Kontrakultur Erfurt“ gab, knüpfte er neue Verbindungen in Richtung AfD.

Kundgebung der Identitären. Mittig steht Robert Brandt in schwarzem Shirt und mit dunkelblauem Fischerhut, die Hand halb das Gesicht verdeckend. Rechts davon macht seine Freundin Freya Schöps, langer Rock und Flechtzöpfe, ein Selfie. Rechts der beiden steht Leonardo Lekhi mit sonnenbrille und dunkelblauer Cap.
Zwischen Identitären und Neonazis wie Robert Brandt (Fischerhut) und Freya Schöps (Mitte) versucht Leonardo Lekhi (r.) sein Gesicht hiner Cap und Sonnenbrille zu verbergen; Chemnitz 31.5.2025 (Foto: Pixelarchiv)

Der jugendliche Anhang von Leonardo Lekhi trat bereits vor der Auflösung der JA als „Patriotische Jugend Gotha“ auf Instagram auf. Ihre Privatprofile auf Instagram sind wahlweise um das Geburtsdatum Adolf Hitlers (_20041889), den Tag der Reichsgründung (_18011871) oder die Neonazi-Chiffre 1161 für „Anti-Antifa“ ergänzt. Die Inhalte werden hier zwischen Lekhis Privatprofil, den Profilen seiner teils nur 13/14-jährigen Kameraden und den Profilen der „Patriotischen Jugend Gotha“ bzw. mittlerweile der „Rechtsjugend Gotha“ ge-crossposted. Insofern ist bei dieser Kleingruppe weniger von einer festen Gruppenstruktur die Rede, als vielmehr von einem Namen, der ihrer beschränkten Social-Media-Gefolgschaft folgendes signalisieren sollte: Selbst wenn ihr auf den Profilen der JA jetzt nichts mehr seht, sind wir trotzdem noch da. Jason Schröder aus dieser Gruppe zählt inzwischen zum Kern der Thüringer GD und reist mit ihr überregional zu Veranstaltungen, während der 14-jährige Pablo Kühn nur gelegentlich außerhalb Gothas anzutreffen ist. Kühn verbindet, wie viele junge Fans von Björn Höcke, den klassischen Neonazismus mit Aktivismus für die AfD, wie sich an seinen öffentlich geposteten Videos in Shirts der verbotenen Neonazi-Band „Landser“ zeigt.

Screenshot aus einem Video von Pablo Kühn: Er steht in seinem Zimmer mit heller Cap und einem schwarzen „Landser“-Shirt mit Stahlhelm-Symbol.
Der Gothaer GD-Aktivist Pablo Kühn mit „Landser“ auf Tiktok

Gerade diese Mischung aus Lekhis Netzwerken zu Erfurter Neonazis, Identitären oder Neonazi-Jugendlichen wie Pablo Kühn ist die „Rechtsjugend Gotha“, die laut Alexander Claus beispielhaft für die Jugendorganisation steht. Ähnlich scheint es der AfD-Landtagsabgeordnete Marcel Kramer und die GD-Landesvorsitzende Carolin Lichtenheld zu sehen.

Gruppefoto von vier JAlern und MdL Marcel Kramer. sie tragen ein Banner mit der Aufschrift "Junge Alternative Thüringen"
(v.l.n.r.) Jason Schröder, MdL Marcel Kramer, Carolin Lichtenheld, Pablo Kühn 2025 (Foto: Instagram)

Generation Wartburgkreis: zwischen Höcke und „Heimat“

Gruppenfoto der Mitglieder der "Generation Wartburgkreis" vor AfD-Wänden.
Mitglieder der „Generation Wartburgkreis“ mit AfD-Landtagsbgeordneten: v.l.n.r. Uwe Krell (AfD-MdL), Philip Reinhold, unbekannt, Noah Malsch, Philipp Lorenz, Pascal Wloch (AfD-MdL)

Erst seit vergangenem Jahr zeigt sich die AfD-Jugend auch im Wartburgkreis aktiver und deren Mitglieder tauchen überregional auf Veranstaltungen auf. Mit Noah Malsch ist der Wartburgkreis nun auch im Vorstand der GD Thüringen vertreten. Der Wartburgkreis war jahrelang die letzte Bastion der NPD, die sich 2023 in „Heimat“ umbenannte. Auch rechte Jugendliche aus Eisenach und Umland wandten sich ohne Umwege über die AfD direkt der Neonazipartei und deren Erlebniswelt mit Rechtsrock in der Parteizentrale „Flieder Volkshaus“ und deren Kampftruppe „Knockout 51“ zu. AfD und NPD machten hier schon länger gemeinsame Sache. Der zwischenzeitlich bei Machtkämpfen in die Schusslinie Höckes geratene AfD-MdB Klaus Stöber moblisierte gemeinsam mit „Knockout 51“ zu Montagsdemos in Eisenach. Auch der neue GD-Landesvorstand Noah Malsch aus Krauthausen im Wartburgkreis hat keine Berührungsängste mit den Neonazis. So teilte er auf seinem Instagram-Account u.a eine rassistische Rede von Patrick Wieschke („Heimat“, ehemals Thüringer Heimatschutz und NPD), der wegen seiner Unterstützung für die Terrorgruppe „Knockout 51“ vor Gericht steht.

Screenshot einer Instagram-Story von Noah Malsch auf dem eine Demo zu sehen ist und Patrick Wieschke am Mikro.
Instagram-Story von Noah Malsch mit einer rassistischen Rede von Patrick Wieschke, geteilt am 21.12.2024

Von der Winterakademie in Schnellroda am 23.1.2026 postete Malsch ein Selfie mit dem Aushängeschild der Identitären und Stichwortgeber der Forderung millionenfacher rassistischer Ausweisungen, Martin Sellner. Sellner zeigt dabei das weithin als Symbol für „White Power“ bekannte Handzeichen, das bereits der rassistische Massenmörder von Christchurch in Neuseeland präsentierte, der zuvor in persönlichem Kontakt mit Sellner gestanden hatte.

Selfie von Noah Malsch mit dunkler Kurzhaar-Scheitelfrisur und Martin Sellner, der das „White Power“-Zeichen macht. Im Hintergrund sieht man die Schriftzüge der „Sezession“.
Noah Malsch und Martin Sellner in Schnellroda am 23.1.2026

Noah Malsch ist im AfD-Kreisverband Wartburgkreis für Jugendarbeit zuständig. Dieses Amt teilt er sich mit Philipp Lorenz aus Merkers. Beide sitzen als Beisitzer im Kreisvorstand, Lorenz zudem auch im Ortsteilrat von Merkers. Philipp Lorenz steht Malsch in nichts nach, wenn es um Sympathien für die Neonaziszene geht. Vielmehr scheint ein Zusammengehen aus AfD/GD und der Neonazipartei „Heimat“ für ihn zum Programm zu gehören. So marschierte er am 1. Mai 2025 zusammen mit Adrian König von der AfD Wartburgkreis mit der ostdeutschen Naziszene durch Gera. Dabei trug Lorenz ein T-Shirt der Jungen Alternative Wartburgkreis. Lorenz und König reihten sich hinter dem Banner der „Heimat“ ein, das u.a. vom Eisenacher Parteikader Alexander Neidlein getragen wurde. Neben Lorenz lief die Rechtsrock-Musikerin Karin Mundt aus Mecklenburg-Vorpommern.

Foto vom Block der „Heimat“ mit einem Frontbanner „Weg mit der Regierung“ Philipp Lorenz läuft im dunkelblauen Shirt der JA Bad Salzungen, Brille und Schnauzbartansatz in der zweiten Reihe und schaut vergnügt in die Kamera. Daneben läuft Adrian König mit kurzen dunklen Haaren und Sonnenbrille, ebenfalls in die Kamera lächeln.
Rechtsrockerin Karin Mundt (1.v.l.), „Heimat“-Kader Alexander Neidlein (Mitte) und die AfD-Jungkader Philipp Lorenz (3.v.r.) und Adrian König (mittig 2. Reihe m. Sonnenbrille) im Naziaufmarsch in Gera am 1.5.2025 (Foto: Marco Kemp)

Die Sympathie für die Neonazipartei „Heimat“ ist unter einigen GD-Kadern offenkundig. Auch Adrian König bekundet in den sozialen Medien seine Sympathie für Beiträge der „Heimat“ Sömmerda. Im dortigen Landkreis ist auch der neue Beisitzer des Landesvorstands Jonas (Nachname unbekannt) ansässig, der sich zwar für die AfD engagiert und bieder im Anzug zeigt, aber in sozialen Medien auch Beiträge des militanten Neonazikaders Thorsten Heise aus dem Eichsfeld Likes erteilt und dem militanten Eisenacher „Knockout 51“-Kader Eric Krempler folgt.

Erfurt: Kollaboration von AfD-Jugend und militanten Neonazis von „Knockout 51“

Alexander Töpfer aus Erfurt ist seit Langem der wichtigste Aktivist des AfD-Nachwuchses in der Landeshauptstadt. Er nimmt seit Jahren an den dortigen Montagsdemos des Verschwörungs- und Reichsbürgermilieus teil, gelegentlich auch als Redner. Er wurde Anfang 2022 in den JA-Landesvorstand gewählt. Töpfer beteiligte sich auch am Großaufmarsch der Naziszene in Gera am 3.10.2022, wo neben dem bekannten Kader Christian Klar, dem Reichsbürger Frank Haußner und Björn Höcke auch der Rechtsrockmusiker Frank Rennicke auf der Bühne stand. Töpfer bedrohte an diesem Tag eine Journalistin mit einer Anspielung auf den von einem Neonazi erschossenen CDU-Politiker Walter Lübcke.

Foto von einer Kundgebung mit Alexander Töpfer in der Bildmitte
Alexander Töpfer zwischen Neonazis und Reichsbürgern in Gera am 3.10.2022 (Foto: Dani Luiz)

Wie im 2. Prozess gegen die Eisenacher Neonazi-Terrorgruppe „Knockout 51“ herauskam, wohnte Alexander Töpfer nicht nur im selben Haus wie der militante Neonazi Kevin Noeske, sondern teilte sich mit diesem auch einen gemeinsamen Lager- und Trainingsraum im Keller. Dort lagerten sowohl Utensilien der JA, als auch von „Kontrakultur Erfurt“. Kevin Noeske war lange einer der Trainer beim Kampfsporttraining seiner Gruppe „Knockout 51“ und er trat selber als Kämpfer beim Neonazi-Wettkampf „Kampf der Nibelungen“ an. Nach seinem Umzug nach Erfurt gründete er „Kontrakultur Erfurt“ mit und versuchte fortan, Anschluss an die „Identitäre Bewegung“ und die JA zu bekommen. Diesen fand er offenbar u.a. in Alexander Töpfer. Töpfer war in dieser Zeit Vorstand der JA Thüringen, gemeinsam mit Carolin Lichtenheld, die ebenso intern mit Kevin Noeske zusammengearbeitet zu haben scheint. Töpfer und Lichtenheld fuhren zusammen auch zu Netzwerktreffen mit den Identitären nach Schnellroda, etwa im Februar 2024 zur „Winterakademie“.

Foto von Carolin Lichtenheld und Alexander Töpfer, die zusammen in Richtung Kamera laufen
Carolin Lichtenheld und Alexander Töpfer in Schnellroda am 17.2.2024 (Foto: Recherche Nord)

Töpfer wurde von der AfD zur Kommunalwahl 2024 aufgestellt und in den Stadtrat gewählt. Das tat seiner Begeisterung für die außerparlamentarische neofaschistische Bewegung keinen Abbruch. Ein Jahr später warb er auf Instagram für die Neonazigruppe seines zu jener Zeit in Untersuchungshaft sitzenden Neonazi-Nachbarn Kevin Noeske und bekannte sich mit dem „White Power“-Zeichen zu dessen Zielen.

Foto eine Story von Alexander Töpfer. Darauf ist seine Hand mit "White Power" zu sehen und darüber die Schrift "Freiheit für Kontrakultur Erfurt"
Alexander Töpfer solidarisiert sich am 28.5.2025 auf Instagram mit dem „White Power“-Zeichen mit den militanten Neonazis von „Kontrakultur Erfurt“ nachdem deren Instagram-Account gesperrt wurde

Einige JA-AktivistInnen aus Erfurt kehrten den Aktionen der Jugend zwischenzeitlich den Rücken, während z.B Sophie Neubauer hinzustieß. Laut Eigenangaben ist Neubauer Erzieherin. Sie fuhr mit der Thüringer AfD-Jugend zum Gründungskongress der GD nach Gießen und nahm auch an der Gründung der GD Thüringen in Ilmenau am 17.1.2026 teil. Auch auf Social Media bekennt die Erfurterin Gesicht für das rassistische Vertreibungskonzept der „Remigration“.

Anreise zur Gründung der Thüringer „Generation Deutschland“ am 17.1.2026 in Ilmenau: Man sieht Sophie Neubauer mit blondem, offenen Haar und hellem Mantel, Jason Schröder mit dunkler Scheitelfrisur und Jeans, Leonardo Lekhi mit Schnauzbart und grauem Mantel und Alexander Töpfer mit Kurzhaarfrisur und brauner Jacke
(v.l.n.r.) Sophie Neubauer, Jason Schröder, Leonardo Lekhi und Alexander Töpfer am 17.1.2026 in Ilmenau (Foto: Pixelarchiv)

Am Wochenende darauf fuhr Neubauer auch mit einer ganzen Gruppe aus dem Führungskreis der GD Thüringen nach Schnellroda, wo u.a. Martin Sellner auftrat. Zuletzt bewarb Alexander Töpfer auch die Veranstaltung mit Martin Sellner am 26.1.2026 im Erfurter Braukeller. Töpfers hinzugefügtes Bekenntnis „Wir distanzieren uns nicht“ liegt dabei genau auf der Linie des neuen Landesvorstands der GD und jener von Björn Höcke, dessen Landes- und Bundestagskollegen Martin Sellner am selben Tag demonstrativ im Landtag empfingen.

Screenshot einer Story von Alexander Töpfer. Im Hintergrund ist ein Post auf zu sehen auf dem "Regime change-tour" steht. Darunter stehen die Termine und Orten, darunte rder 26.01 in Erfurt und die Anmeldemöglichkeit für die Veranstaltung. Darüber hat Töpfer die Schrifft "Martin Sellner am 26.01 in Erfurt" gesetzt und ganz unten "Wir distanzieren uns nicht"
Alexander Töpfer wirbt für Martin Sellners „Regime Change“ Vortrag in Erfurt am 26.1.2026

Generation Sonneberg

Gruppenfoto der Sonneberger Jung-AfDlerInnen mit dem Bundestagsabgeordneten Robert Teske und dem Landtagsabgeordneten Jürgen Treutler vor einer AfD-Werbewand. Die jungen Männer tragen teilweise Anzug, teilweis elegere Kleidung.
Sonneberger Ableger der GD Thüringen am 17.1.25 in Ilmenau v.l.n.r.: Leon Wagner, Laura Wagner, Robert Teske (MdB), Eric Engelhardt, Max Fischer, Jürgen Treutler (MdL), Niklas Sippel, Paul (Nachname unbekannt), Jeremy Liebermann und Jakob Schilling

Neben Gotha, Erfurt und dem Wartburgkreis kommen die meisten aktiven Mitglieder der GD Thüringen aus dem Raum Sonneberg. Verantwortlich dafür werden Eric Engelhardt und Candy Jacobs sein, die ihren FreundInnenkreis mit zur JA bzw. GD geholt haben. Eines der Mitglieder aus Sonneberg ist Jakob Schilling. Dieser liket u.a. Beiträge von Neonazi-Accounts wie dem mittlerweile gesperrten @brauneradler, dem auch der Gothaer GD-Aktivist Leonardo Lekhi folgt. In dem von Schilling gelikten Post steht der „Brauen Adler“ provokant vor der Synagoge in Halle und verhöhnt damit die Opfer des antisemitschen Anschlags am 9.10.2019 in Halle. Die offen antisemitische Ausrichtung des Profils zeigt sich auch in weiteren Posts.

zwei Instagram-Screenshots des Profils „brauneradler“: auf dem rechten sieht man eine verpixelte Person vor dem Eingang zur Synagoge Halle mit der Bildunterschrift „Die aller Echten wissen bescheid“. Darunte rsieht man das Like von jxkob_ldbg, dem Profil von Jakob Schilling. Links sieht man ein brennendes Gebäude und dem in Frakturschrift gehaltenen Schriftzug „Es war ein Jude“
antisemitische Hetze: was Sonneberger GD-Kadern wie Jakob Schilling (@jxkob_ldbg) gut gefällt

Die AfD Sonneberg genießt aufgrund ihres Landrats Robert Sesselmann besondere Relevanz im Landesverband. Sesselmann ist in einer Beziehung mit der Neonazi-Aktivistin Angela Schaller, die mittlerweile fester Teil bei Aktivitäten des Kreisverbands ist. Schaller hilft Sesselmann außerdem bei dessen regelmäßigen Videoansprachen als Landrat, die er auf Facebook veröffentlicht und gleichzeitig Presseanfragen, vor allem kritische, boykottiert. Das Landratsamt im Rücken zu haben, bedeutet natürlich auch für die AfD-Jugend ein besonderes Selbstbewusstsein. Auch Björn Höckes ehemaliger Büroleiter Robert Teske eröffnete ein Wahlkreisbüro in Sonneberg, wobei das eher symbolisch gemeint sein dürfte. Der Bremer Teske interessiert sich nicht für Sonneberg und hat dort als Bundestagsabgeordneter keinerlei Anbindung. Trotzdem dürfte das Büro auch als Stützpunkt für die AfD-Jugend gedacht sein.

Ausblick

Das Resümee zu AfD-Jugendorganisation in den letzten Jahre in Thüringen fällt durchwachsen aus: Zunächst halten wir fest, dass die Organisation keinesfalls kontinuierlich wächst. Vielmehr gibt es einen größeren Anteil an Mitgliedern, die nur 1-2 Jahre in der JA aktiv bleiben und sich anderen extrem rechten Spektren zuwenden oder sich danach politisch zurückziehen. Das liegt zum einen am öffentlichen Druck, auch durch antifaschistische Recherchen wie diese hier. Zum anderen liegt das an der Strukturschwäche der AfD-Jugend, die sich durch mehrere Ebenen zieht. Rein praktisch ist die AfD-Jugend in den meisten Thüringer Landkreisen unsichtbar und nicht ansprechbar. Manche AktivistInnen reisen zu „Stammtischen“ oder „Schulungen“ mit den immer selben Inhalten und Frontalvorträgen mehrere Stunden, bevor sie langfristig wieder fernbleiben. Ost- und Nordthüringen sind strukturelles Brachland der Organisation. Auch die Ebene der Integration ist ein anhaltendes Hindernis in der JA. Es gibt einen kleinen Kern an bundesweit vernetzten WortführerInnen, die sich im Vorstand wiederfinden. Diese sitzen inzwischen in Kreistagen und treffen sich an den Wochenenden mit FunktionärInnen oder neofaschistischen Kadern außerparlamentarischer Gruppen. Die jugendliche Basis wird nur für Gruppenfotos und Parteipropaganda gebraucht, nicht aber real in die Organisation eingebunden oder gar angehört. Die SprecherInnen der Thüringer JA bzw. nun GD sind darüber hinaus rhetorisch äußerst schwach. Carolin Lichtenheld und Eric Engelhardt sind alles andere als charismatisch, womit sich auch ihre unterwürfigen Auftritte im Schatten Björn Höckes erklären lassen.

Die Eingliederung der JA als GD in die Partei stellt weder eine Bedrohung für die AfD noch für die Radikalität der Jugendorganisation dar, da Höckes politischer Kurs ohnehin nicht rechts zu überholen ist. Weder wird die AfD radikaler und eventuell weniger wählbar für Konservative, noch wird die Jugendorganisation gemäßigter. Sehr wohl wird jedoch den rechten Jugendlichen vor Augen geführt, wie wenig sie am Ende wirklich zählen. Eric Engelhardt oder Dante Riedel hielten auf dem Bundesparteitag in Riesa 2025 enttäuschte Reden, der neue Hildburghausener GD-Landesvorstand Kevin Flurschütz schrieb von „Verrat“ durch die eigene Parteiführung. Wer in die GD eintritt, weiß bestens, dass auch ein Höcke die Jugend fallenlassen wird, wenn es seinen Machtberechnungen zupass ist.

Im Einklang mit Höcke geht jedoch von der AfD-Jugend eine gefährliche Strahlkraft in Richtung gewaltorientierter rechter Jugend aus, wie sie bereits zuvor von Höcke auf den Mörder des CDU-Politikers Walter Lübcke ausging: Höcke beschwört einen Endzeitkampf gegen äußere und innere Feinde, relativiert jedes Verfahren gegen RechtsterroristInnen als staatliche Schikane oder Verschwörung und stellt sich regelmäßig offensiv hinter militante und auf Rassenkriege abzielende Gruppen wie die Gruppe um den Reichsbürger Prinz Heinrich Reuß XIII. oder die „Sächsischen Separatisten“, die zur Hälfte aus JA-/AfD-Kadern bestanden. Die Höcke-Jugend sorgt für rechte und neonazistische Jugendliche zunächst für ein bestärkendes Umfeld, feuert apokalyptische, nationalistische und rassistische Weltbilder an und signalisiert auch militanten Neonazis: Ihr gehört mit dazu, ihr denkt das Richtige. Wenn dann, wie im ostthüringischen Schmölln, junge Neonazis versuchen, ein bewohntes Geflüchtetenheim im Namen „Letzten Verteidigungswelle“ (LVW) in Brand zu setzen, ist die AfD-Jugend nicht weit. Der Jungneonazi Luca Kinski aus Gera etwa besuchte sowohl einen JA-Stammtisch in Weida zusammen mit der Gruppe „Gersche Jugend“. Zur selben Zeit pflegte er gegenseitige Besuche mit einem der LVW-Täter aus Schmölln, Claudio Spano.

Die AfD und ihre Jugend bestellen weiterhin das ideologische Feld von rechtem Terror, der sich wie in Sachsen bereits aus den eigenen Reihen entfachte, andernorts aber in diesem Umfeld gedeiht. Diese gefährliche Wirkung wird vor allem in Thüringen weiterhin zunehmen.